Bayerns schönste Biergärten

Kategorie: Bayern Spezial, Essen & Trinken, Reisen, Top 10 | 24. April 2011

Im Heimatland des Bieres trinkt man sein Helles oder Weißbier am liebsten in einem der unzähligen Biergärten unter schattigen Kastanien und mit urigen Holzbänken und -tischen.

Biergarten

Biergarten

Was in Paris und Wien das Café, in England der Pub und in China das Teehaus, sind in Bayern die Biergärten. Hier trifft man sich zum Weißwurstfrühstück, zur Brotzeit, zum ausgedehnten Brunch oder einfach nur zum Biertrinken, lässt die Seele baumeln und nimmt eine Auszeit vom Alltag. Doch nicht jeder Biergarten in Bayern erfüllt die Merkmale, die einen typisch bayerischen Biergarten auszeichnen. Dazu gehören auf jeden Fall alte Kastanien, die im Sommer für notwendigen Schatten sorgen
, abgesessene Holzstühle oder noch besser uralte Holzbänke und Kiesboden anstatt Betonplatten. 
Und dann ist es immer wieder ein Schauspiel, wenn die Leute bei schönem Wetter in die Biergärten strömen und ihre halbe Küchenausstattung aus den mitgebrachten Taschen und Brotzeitkörben auspacken. Als erstes die weiß-blaue Tischdecken und Servietten, Salz- und Pfefferstreuer, Radi, Obatzter, frisch gebackenes Brot und Brezn und was einem sonst noch so an bayerischen Spezialitäten einfällt. Und zu guter Letzt werden die Maß Bier herangeschleppt. So lässt man es sich in Bayern im Biergarten gutgehen.

Natürlich habe ich noch nicht alle Biergärten in Bayern besucht und trotzdem wage ich es, so eine Liste mit Bayerns schönsten Biergärten zu erstellen. Allen Biergärten ist gemeinsam, dass sie mindestens die klassischen Voraussetzungen für einen original bayerischen Biergarten erfüllen und darüber hinaus besondere Eigenschaften haben, die sie von dem breiten Durchschnitt enorm herausheben. Und da wir über München`s schönste Biergärten schon an anderer Stelle berichtet haben, werden diese hier ausgeklammert.

Wilde-Rose-Keller, Bamberg

Der Hotel-Gasthof Wilde Rose in Bamberg ist mit seinem Biergarten auf dem Stephansberg schon seit mehr als einen Jahrhundert ein sehr beliebter Treffpunkt in Bamberg. Studenten, Familien und Touristen trinken hier ein unfiltriertes Kellerbier oder das für Bamberg typische Schlenkerla Rauchbier. Daneben gibt es auch Bamberger Weiße oder Keesmann Herren Pils zu trinken, natürlich alles frisch vom Fass. Der Wilde Rose Biergarten bietet Platz für 1.500 Besucher und eine idyllische Atmosphäre unter den alten Kastanien. Da die angebotenen fränkischen Spezialitäten recht günstig sind und gut schmecken, muss man sein Essen nicht unbedingt selbst mitbringen, ist aber dennoch erlaubt.

Kloster Reutberg in Sachsenkam

Kloster Reutberg in Sachsenkam

Kloster Reutberg, Sachsenkam

Obazda vom Kloster Reutberg

Obazda vom Kloster Reutberg

Das Kloster Reutberg in Sachsenkam ist etwas versteckt und für Auswärtige nicht so einfach zu finden, obwohl man das Kloster auf einem Hügel schon von weitem sehen kann. Dank guter Beschilderung und freundlicher „Reutberger“ hat jedoch bis jetzt jeder hingefunden. Das Kloster Reutberg gehört dem Orden der Terziarinnen der Franziskaner-Reformaten und befindet sich südlich von München zwischen Holzkirchen und Bad Tölz. Die Gründung der Klosterbrauerei Reutberg erfolgte am 23. Oktober 1924 als Genossenschaft zwischen der seit 1677 bestehenden Klosterbrauerei der Franziskanerinnen und Bauern aus Sachsenkam und Reichersbeuern. Spezialität des Hauses ist Obazda, der hier mit Brezn und einem Reutberger Kloster-Weiße wahrlich himmlisch schmeckt. Das trifft aber auch auf die anderen Klosterbiere zu, z.B. das Kloster Hell oder das Reutberger Export Hell und Dunkel. Der besondere Reiz des Biergartens vom Kloster Reutberg ist jedoch die einzigartige Aussicht auf die Bayerischen Alpen, die man vom Klosterberg besonders gut sehen kann. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch der Reutberger Klosterbrauerei zum Josefifest, um sich dort einen Josefibock zu genehmigen.

Weisses Brauhaus, Kelheim

Schneider Weisse

Schneider Weisse

Der erste Georg Schneider und Begründer der Kelheimer Brauerei G. Schneider & Sohn war vor seinem Einstieg in die Selbständigkeit im Jahre 1872 Braumeister im Königlichen Hofbräuhaus am Platzl in München. Die „große Zeit“ der Weißbiere in Bayern schien vorüber und die Bayern wandten sich mehr und mehr den untergärigen Biersorten Export und Pils zu, aber Georg Schneider I. glaubte weiterhin an das Weißbier. Er verhandelte daher mit König Ludwig II. bzw. mit dem bayerischen Hofbräuamt über die Ablösung des Münchner Hofbräu-Weissbierregals. Nahezu zeitgleich erwarb er das still gelegte Maderbräu im Tal und gründete dort zusammen mit seinem Sohn Georg Schneider II. die Brauerei “G. Schneider & Sohn“. Georg Schneider IV. verlegte den Brausitz nach dem Ende des 2. Weltkriegs nach Kelheim, nachdem die Münchner Brauerei durch die Bombenangriffe auf München nahezu zerstört war. Hier hatte Georg Schneider IV. 1928 das Weisse Brauhaus in Kelheim gekauft, die älteste Weißbierbrauerei in Bayern, die 1607 von Herzog Maximilian I. als Kurfürstliches Weisses Hofbräuhaus gegründet wurde. Heute vertreibt die Weißbierbrauerei G. Schneider & Sohn sechs Weißbiersorten: Schneider Weisse Original, Schneider Weisse Weizenhell, Schneider Weisse Kristall, Schneider Weisse Leicht, Schneider Weisse Alkoholfrei und den unvergleichlichen Aventinus Weizendoppelbock, eins der besten Starkbiere der Welt. Sowohl im historischen Münchner Schneider Weiße Gasthaus als auch im Kelheimer Brauhaus mit seinem Biergarten atmet man an jeder Ecke die Geschichte Bayerns.

Schloßgaststätte Leutstetten, Leutstetten bei Starnberg

Schloßgaststätte Leutstetten

Schloßgaststätte Leutstetten

Die Schloßgaststätte Leutstetten besitzt definitiv den schönsten Biergarten rund um den Starnberger See, ist aber nach wie vor (fast) ein Insidertipp, selbst für Münchner. Die meisten Gäste kommen mit dem Fahrrad vorbei, entweder entlang der Würm oder durch den Forstenrieder Park. Zum Starnberger See ist von hier aus ebenfalls nicht mehr weit. Die Spare Ribs zusammen mit einem königlichen Hellen aus der Kaltenberger König Ludwig Schloßbrauerei sind ein echter Hit und ganz besonders zu empfehlen. Dass es in der Schloßgaststätte Leutstetten königliches Bier aus Kaltenberg gibt, ist kein Zufall, da sich gegenüber das Wittelsbacher Schloss Leutstetten befindet, in dem Prinz Luitpold von Bayern – Inhaber der Kaltenberger König Ludwig Schloßbrauerei – geboren wurde. Und weltmeisterlich ist die Schloßgaststätte Leutstetten auch, nachdem die Deutsche Nationalmannschaft 1990 hier ihren WM-Sieg feierte. Hier in der Schloßgaststätte Leutstetten spürt man trotz aller Betriebssamkeit eine königliche Würde, die den eher kleinen Biergarten mit rund 500 Plätzen umgibt. Neben dem Biergarten bietet die Schloßgaststätte Leutstetten auch eine Freiluftterasse mit Bedienung, wobei die Plätze hier bei schönem Wetter schnell weg sind, aber nach meinem Geschmack sind die lauschigen Plätzchen im Biergarten eh viel schöner.

Spitalgarten, Regensburg

Spitalgarten Regensburg

Spitalgarten Regensburg

Der Spitalgarten in Regensburg gehört wegen seiner einzigartigen Aussicht auf die Altstadt von Regensburg und den Regensburger Dom (Teil des bayerischen Weltkulturerbes) auch in diese Liste. Die Lage neben der Steinernen Brücke am Ufer der Donau ist einzigartig und ein echtes Erlebnis in Regensburg. Nicht umsonst heißt es, wer nicht über die Steinerne Brücke gegangen ist und im Spitalgarten war, hat Regensburg nicht gesehen. Daher ist es jedoch auch kein Wunder, dass sich der Biergarten bei gutem Wetter schnell (über)füllt und dann kann es hier auch schon ordentlich hektisch zugehen. Das gleiche gilt für den Parkplatz vor der Tür, der bei entsprechendem Wetter keine Freude aufkommen lässt. Das Bier im Regensburger Spitalgarten stammt von der Spitalbrauerei, die eine Brautradition von über 750 Jahren vorzuweisen hat und zu den ältesten Brauereien der Welt gehört.

Bräustüberl Weihenstephan, Freising

Weihenstephaner

Weihenstephaner

Hier in Weihenstephan ist die Wiege der Braukunst in Bayern, wo der heilige Korbinian im Jahr 725 mit 12 Gefährten das Benediktinerkloster Weihenstephan gründete. Vermutlich wurde seitdem in Weihenstephan Hopfen und Malz zu Bier verbraut, aber als offizieller Beginn der Weihenstephaner Klosterbrauerei wird das Jahr 1040 genannt. In diesem Jahr erteilte die Stadt Freising dem Kloster Weihenstephan unter der Leitung von Abt Arnold das Brau- und Schankrecht. Der Biergarten des Weihenstephaner Bräustüberls befindet sich auf dem Weihenstephaner Berg und bietet einen schönen Ausblick auf die Stadt Freising und die Weihenstephaner Umgebung. Highlights im Weihenstephaner Biergarten sind natürlich die leckeren Bierspezialitäten aus der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan wie sie inzwischen heißt. Hier kennt man sich aus mit dem Bierbrauen, da sich in der Nähe auch die Hochschule für Brauwissenschaft der Technischen Universität München befindet.

Alte Villa am Ammersee

Alte Villa am Ammersee

Alte Villa, Utting am Ammersee

Alte Villa in Utting

Alte Villa in Utting

Königliches Bier aus der König Ludwig Schloßbrauerei Kaltenberg, ein herrlicher Blick auf den Ammersee, eine idyllische Landschaft drumherum mit Badespaß und Live-Jazz machen den Biergarten der Alten Villa in Utting zu einem typisch bayerischen Kurzurlaub. Utting befindet sich etwa 40 km süd-westlich von München und ist über die A96 (München-Lindau) bestens erreichbar. Da sich die Alte Villa in einem parkähnlichen Wald befindet, sollte man sich Anfahrt vorher mal angeschaut haben. Die Live-Konzerte gibt es zum Frühschoppen an jedem sonnigen Sonntag oder Feiertag und anstatt eines Eintritts kostet die Mass Bier einfach einen Euro mehr. Die Alte Villa in Utting stammt aus dem Jahre 1898 und diente ab 1937 der Familie Rodenhauser als Landsitz. Inzwischen gehört das Anwesen mit Biergarten dem Freistaat Bayern, der das Gebäude und den Park für die Öffentlichkeit öffnete und den Gastronomiebetrieb direkt am Ufer des Ammersee einführte. Gehobene Küche und Weine, Musik und Kleinkunst sind charakteristische Merkmale der Alten Villa und im Sommer kommt der Biergarten mit den teils mehr als 100 Jahre alten Bäumen als kleines Juwel im Fünfseenland hinzu.

Kloster Benediktbeuern

Klosterbräustüberl Benediktbeuern

Klosterbräustüberl Benediktbeuern

Das Kloster Benediktbeuern ist nicht nur eine der ältesten kirchlichen Einrichtungen in Bayern, sondern auch eine der schönsten Klosteranlagen mit einer super Klosterwirtschaft und einem herrlichen Biergarten, in dem man eine leckere Brotzeit mit Blick über das Kloster genießen kann. Vor einer imposanten Kulisse mit der Benediktenwand im Hintergrund liegt das Kloster Benediktbeuern im Alpenvorland von Oberbayern. Die Gründung des Klosters Benediktbeuern im Jahr 739 geht zurück auf den Heiligen Bonifatius, der hier 750 die erste Kirche auf bayerischem Boden weihte. Aus dem Kloster Benediktbeuern folgte eine wesentliche Alphabetisierung Bayerns und viele berühmte Theologen, Philosophen, Naturwissenschaftler und Künstler wirkten im Laufe der Jahrhunderte am Kloster. Das Schöne an einem Besuch des Klosters Benediktbeuern ist natürlich auch das Klosterbräustüberl, auch wenn von der einstigen Klosterbrauerei nur noch das Bräustüberl mit Klosterwirtschaft und Biergarten übrig geblieben sind. Im Angebot sind typisch bayerische Spezialitäten und Schmankerl, wobei die Kräuter und Gemüse direkt aus dem Klostergarten stammen, wo Düngemittel und Pestizide ein Fremdwort sind.



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Ein Kommentar auf "Bayerns schönste Biergärten"

  1. […] anstrengenden Tätigkeit. Während die einen auf ihre Brotzeit unter Kastanien in einem der bayerischen Biergärten schwören, gehört für die anderen zwingend Schweiß und Anstrengung dazu. […]

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