Bayerische Spezialitäten

6. Februar 2009 | Von | Kategorie: Bayern Spezial

Zurück zur Heimat” steht wieder hoch im Kurs. Daher ist auch für die Politik der Schutz und die Erhaltung bayerischer Spezialitäten so wichtig. In Bayern zählt daher der Schutz und die Förderung der Bayerischen Spezialitäten zukünftig zu den Leitlinien bayerischer Politik. Auch die Europäische Kommission hat erkannt, dass man der wachsenden Konkurrenz aus dem Ausland im Lebensmittelmarkt und in anderen Bereichen durch Hervorhebung und Schutz der Heimat und deren regionalen Spezialitäten entgegentreten kann muss. Die Betonung typischer Spezialitäten mit einer traditionellen Zuordnung zu einer bestimmten Region stellen ein wirksames Instrument dar, um vor allem im Bereich der Lebensmittel dem Verbraucher ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, sei es beim Bier, Käse oder Wurst. Gerade Bayern mit seinen unterschiedlichen Regionen und seinen bayerischen Spezialitäten profitiert besonders von dieser Erkenntnis. In Bayern gibt es viele gewachsene Traditionen und Spezialitäten, mit denen auch bestimmte Qualitätsanforderungen verbunden sind. Am bekanntesten ist hier das Bayerische Reinheitsgebot beim Bier.

Sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher bieten sich durch diese Hervorhebung bayerischer Spezialitäten viele Vorteile. Während Unternehmen gerade mit den Merkmalen bayerischer Spezialitäten wie Qualität, Geschichte und Gefühl werben können, bietet dieser Schutz für Verbraucher eine Sicherheit dafür, dass die historisch gewachsenen Qualitätsmerkmale auch zukünftig eingehalten werden.

1. Bayerische Initiative “Bayerische Spezialitäten”

In diesem Sinne hat das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten unter www.spezialitaten-bayern.de eine Datenbank im Internet eingerichtet, um einerseits die Vielfalt der bayerischen Spezialitäten zu vermitteln und andererseits bestimmte Gruppen, Verbände, Firmen und andere zu ermuntern, an der Entwicklung dieser Datenbank über bayerische Spezialitäten mitzuwirken. Entwickelt wurde diese Datenbank in den vergangenen 15 Jahren von der Technischen Universität München und Weihenstephan an der Professur für Marktlehre der Agrar- und Ernährungswissenschaft unter Anleitung von Prof. Dr. Michael Besch.

Datenbank für Bayerische Spezialitäten

Datenbank für Bayerische Spezialitäten

Für die Aufnahme eines Produkts in die Datenbank für bayerische Spezialitäten sind folgende drei Voraussetzungen erforderlich:

  • Tradition,
  • Historischer Orts- und Sachbezug,
  • öffentliche Wahrnehmung des Produkts als typisch bayerisch.

Ein Produkt ist traditionell eine bayerische Spezialität, wenn es seit mindestens 50 Jahren in der Region hergestellt bzw. angebaut wird. Ein historischer Sachbezug bzw. Ortsbezug besteht dann, wenn eine Entstehungsgeschichte vorhanden ist, die eine enge Bindung des Produkts an die Region belegt.

Aktuell sind bereits 220 bayerische Spezialitäten mit Bild, Geschichte und Rezept in der Datenbank aufgenommen.

2. Europäischer Schutz bayerischer Spezialitäten

Auch die Europäische Kommission hat erkannt, dass einzigartige und traditionelle Spezialitäten in Europa bewahrt werden müssen und auch davor geschützt werden müssen, dass die Verbundenheit und die Gefühle der Verbraucher mit diesen Spezialitäten nicht durch gedankenlose Verwendung der Bezeichnung im Ausland oder durch ausländische Firmen verloren geht. Daher hat die EU mit der Verordnung (EG) 510/2006 beschlossen, dass regionale Herkunftsbezeichnungen bei Lebensmitteln und Agrarprodukten gegen missbräuchliche Verwendung geschützt werden.

Zwei Herkunftsbezeichnungen muss man sich in diesem Zusammenhang merken:

  • g.U., was soviel heißt wie “in der Ursprungsregion erzeugt, verarbeitet, hergestellt” und
  • g.g.A., was bedeutet, dass “das Produkt in dem abgegrenzten geographischen Gebiet erzeugt und/oder verarbeitet und/oder hergestellt worden ist”.

Folgende bayerische Spezialitäten mit Herkunftsbezeichnungen sind bereits nach VO-EG 510/06 eingetragen und geschützt:

  • Allgäuer Bergkäse
  • Allgäuer Emmentaler
  • Bayerischer Meerrettich
  • Bayerisches Bier
  • Bissinger Auerquelle
  • Hofer Bier
  • Höllensprudel
  • Kulmbacher Bier
  • Mainfranken Bier
  • Münchener Bier
  • Münchner Weißwurst
  • Nürnberger Bratwurst
  • Nürnberger Lebkuchen
  • Oberpfälzer Karpfen
  • Reuther Bier
  • Rieser Weizenbier
  • Siegsdorfer Petrusquelle

Nehmen wir z.B. Bayerisches Bier, das als bayerische Spezialität unter den Schutz der VO-EG 510/06 fällt. Nur Brauereien in Bayern dürfen ihre Biere in Europa als bayerisches Bier verkaufen, wenn sie die hierfür festgelegten Bedingungen, insbesondere das Bayerische Reinheitsgebot, einhalten und dies auch kontrolliert werden kann.

Im Eintragungsverfahren befinden sich weitere 26 bayerische Spezialitäten, wie z.B.

  • Bayerischer Honig,
  • Bayerischer Leberkäse,
  • Fränkischer Karpfen,
  • Hallertauer Hopfen,
  • Münchner Senf,
  • Schrobenhauser Spargel,
  • Schwäbische Maultaschen,
  • Schwäbische Spätzle.

Und für weitere 10 Produkte werden derzeit die erforderlichen Spezifikationen erarbeitet.

Auch in anderen Bereichen gibt es ähnliche Regelungen, die bestimmte bayerische Spezialiäten EU- weit schützen:

  • Spirituosen gem. VO-EG 110/2008,
  • Weinerzeugnisse gem. VO-EG 1493/99.

Hiervon werden insbesondere folgende Produkte erfasst:

  • Fränkisches Kirschwasser,
  • Fränkisches Zwetschgenwasser,
  • Fränkischer Obstler und
  • Frankenwein.



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Tags: Allgäu, bayerische Spezialitäten, Bayern, Bier, Bild, Geschichte, Heimat, Hopfen, Kulmbacher, München, Politik, Reinheitsgebot, Wasser

2 Kommentare auf "Bayerische Spezialitäten"

  1. Ergänzend dazu gibt es unser Buch „Regionaltypische Spezialitäten aus Bayern“ – eine Enzyklopädie bayerischer Ess- und Trinkkultur.

    Mit 230 Spezialitätenbeschreibungen aus einer vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seit 1996 gepflegten Datenbank, 100 Herstellerprofilen und über 70 originellen Rezepten auf 368 Seiten ist die Neuerscheinung eines der umfangreichsten Nachschlagewerke bayerischer Ernährungskultur. Mehr als 1000 Farbfotos, dazu Berichte und Geschichten über die Besonderheiten der Spezialitäten, machen das Buch zu einer unterhaltsamen Lektüre für alle Freunde weiß-blauer Lebensart.

    Hiffenmark und Eierweck, Dettelbacher Muskazine oder Chamer Kampl – bayerische Schmankerl mit traditionellem Ursprung, die man oft nur „um den Kirchturm“ kennt. Andere wiederum, wie das Münchner Bier oder die Nürnberger Bratwürste, haben Weltruf und werden auch gern kopiert. Um den Missbrauch des guten Namens regionaler Produkte zu vermeiden, führte die EU 1992 den Herkunftsschutz ein. Prof. Dr. Besch von der Technischen Universität München in Weihenstephan initiierte dazu bereits Anfang der 90er Jahre eine Bestandsaufnahme für Bayern. Vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde diese Idee aufgegriffen und in einer stetig wachsenden Datenbank für Bayerische Spezialitäten ausgebaut. Heute sind bereits über 230 regionaltypische bayerische Spezialitäten dort erfasst.
    Diese Datenbank inspirierte uns, in den Spezialitätenbetrieben des Freistaates zu recherchieren und in unterhaltsamer Weise über die Herstellung und Verarbeitung der landestypischen Lebensmittel zu berichten.

    Mit dem erschienenen Buch liegt eine umfassende Dokumentation der über tausendjährigen kulinarischen Geschichte Bayerns vor. Sie fördert damit das Wissen um die einheimischen Spezialitäten, die Ausdruck bayerischer Identität sind. Mit den authentischen Beschreibungen der vorgestellten Hersteller, stärkt das Buch auch das Vertrauen in die heimische Wirtschaft. Die Unternehmer hielten dazu nicht nur für Porträts ihren Kopf hin, sondern bürgen mit ihrem Namen für Produktqualität und regionale Verbundenheit, denn – Heimat schmeckt.

    Medien & Kommunikation: KirRoyal-GENIESSERVERLAG e.Kfr.

    Regionaltypische Spezialitäten aus Bayern
    Gebundenes Buch – Hardcover 23 X 31 cm
    Peter & Gabriela Weilacher / Fotos: Ralf Gamböck
    360 Seiten. Über 1000 farbige Abbildungen
    ISBN 978-3-942523-01-1
    Preis € 34,90

  2. [...] Schutz und die Förderung der Bayerischen Spezialitäten gehören inzwischen sogar zu den Leitlinien bayerischer Politik. Schon 1993 meldete der Bayerischer [...]

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