Bayerisches Bier und bayerische Biere

22. August 2010 | Von | Kategorie: Bayern Spezial, Essen & Trinken, Geschichte, Oktoberfest

Bayern ist vor allem bekannt für sein exzellentes bayerisches Bier und besondere bayerische Bierspezialitäten, die aus einer jahrhundertealten Tradition entstanden sind.

Brauereidorf Nesselwang

Brauereidorf Nesselwang

In kaum einem anderen Land nimmt das Bier eine derart wichtige Stellung im Alltag ein wie in Bayern. 1919 machten die Bayern die Weitergeltung des Bayerischen Reinheitsgebots zur Bedingung für die Zustimmung zur Weimarer Verfassung. Bayerisches Bier ist für Bayern sogar so wichtig, dass wir in Bayern seit 17. November 2009 eine Bayerische Bierkönigin haben. In Bayern befinden sich weltweit die schönsten Biergärten, das größte Bierfest, das bekannteste Bierhaus und die älteste Brauerei. Bayern ist führend bei der Ausbildung der Braumeister, beim Anbau für Braugerste und weltweiter Lieferant für Hopfen. Oberfranken ist weltweit die Region mit der höchsten Brauereidichte und die bayerische Stadt Bamberg gilt als Hauptstadt des Bieres schlechthin. Ein Braumeister aus Franken kämpft mit einer schottischen Brauerei um den Titel “Stärkstes Bier der Welt” und im Brauereidorf Nesselwang kann man sogar im Bier baden.

Bayerisches Bier wird gem. bayerischem Reinheitsgebot aus nur vier Zutaten hergestellt: Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Nichtsdestotrotz produzieren die bayerischen Braumeister eine ungeheure Sortenvielfalt an bayerischen Bieren und echte bayerische Spezialitäten. Der Begriff Bayerisches Bier stellt in der Europäischen Union eine geschützte geographische Angabe dar, so dass Bier nur dann als bayerisches Bier bezeichnet werden darf, wenn es auch in Bayern getreu dem Bayerischen Reinheitsgebot hergestellt wurde. Um die besondere Bedeutung des Bayerischen Reinheitsgebots für die Geschichte und Kultur des Bierbrauens in Bayern hervorzuheben, wird der Tag der Bekanntmachung am 23.04. in Bayern als Tag der bayerischen Biere gefeiert. Im Rahmen der Bayerischen Bierwoche gibt es bayernweit besondere Veranstaltungen rund um das Bayerische Bier.

Buch vom bayerischen Bier

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Die Geschichte des bayerischen Brauwesens begann laut Legende in Weihenstephan und im Jahr 725. Damals gründete der heilige Korbinian mit 12 Gefährten das Benediktinerkloster Weihenstephan und begann dort mit Hopfen und Malz Bier zu brauen. Offiziell wird das Jahr 1040 als Gründungsdatum der ersten bayerischen Klosterbrauerei in Weihenstephan genannt. Etwa 100 Jahre später siedelten sich in München die ersten Klosterorden an und gründeten dort ebenfalls ihre Klöster, um auch hier Bier zu brauen. Bis heute sind die Ordenbezeichnungen Franziskaner, Augustiner und Paulaner mit den größten Münchner Brauereien fest verbunden. Bis ins 19. Jahrhundert braute man in Bayern vorwiegend ein süßliches, dunkles Bier, das dann im 20. Jahrhundert durch Helles Bier verdrängt wurde. Ein Überbleibsel aus der bayerischen Geschichte ist auch das Märzenbier oder kurz Märzen, dessen Name in Verbindung steht mit der bayerischen Brauordnung von 1539. Darin war festgelegt, dass die bayerischen Brauereien nur zwischen dem Tag des St. Michael (29. September) und dem Tag des St. Georg (23. April) brauen dürfen. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Kühlanlagen zur Verfügung standen, waren die Brauereien noch auf natürliche Kühlmittel wie Eis angewiesen, die eben nur in dieser Zeit zur Verfügung standen. Das in dieser Zeit hergestellte Bier wurde in kühlen Felsenkellern gelagert, die im März nochmals mit natürlichem Eis aus  Teichen oder anderen zugefroreren Gewässern bestückt wurden. Auf den Bierfesten im Oktober wurden die letzten Bestände dieses sog. Märzen ausgeschenkt, allen voran auf dem großen Oktoberfest in München.

Bayerisches Bier schmeckt vor allem aus kleineren regionalen bayerischen Brauereien am besten und ist auch unter ökologischen Gesichtspunkten einem Allerweltsbier stets vorzuziehen. Tradition, Ökologie und Innovationen sind Markenzeichen der kleineren regionalen Brauereien in Bayern, die sich dadurch dem allgemeinen Trend zur Konzentration weniger Marken unter dem Dach globaler Getränkekonzerne und denm zurückgehenden Bierkonsum entgegenstellen. Bayern und der Begriff “Bayerisches Bier” lebt gerade von der Vielfalt bayerischer Brauereien, die bayerisches Bier zu einem Erlebnis machen wollen.

Weißwurstfrühstück mit Schneider Weißbier

© 2010 Weißwurstfrühstück mit Schneider Weißbier

Eine regionale Besonderheit ist das bayerische Weißbier, ein obergäriges Bier aus Gerste und Weizen, das in Bayern erstmals 1548 – trotz des bestehenden Brauverbots – von Freiherr von Degenberg gebraut wurde. Dieses sog. exklusive Weißbierregal der Degenberger fiel nach dem Tod des letzten Nachfahren in die Hände des bayerischen Herzogs Maximilian I, der das faktische Weißbiermonopol in Bayern ausnutzte und rasch in ganz Bayern mehrere Weiße Brauhäuser errichten ließ, darunter auch das berühmte Hofbräuhaus in München. Das Weißbierregal sicherte den bayerischen Herrschern der Wittelsbacher große Teile der Staatseinnahmen, zumal die Wirtshäuser in ganz Bayern verpflichtet waren, das Wittelsbacher Weißbier auszuschenken. Nach stetigem Rückgang des Weißbier-Konsums in Bayern im 18. Jahrhundert hob Kurfürst Karl Theodor am 6. August 1798 das bayerische Weißbier-Monopol auf und gewährte – gegen entsprechendes Entgelt – jedermann ein Braurecht für Weißbier. Einer der berühmtesten Braumeister aus dieser Zeit ist Georg Schneider, der 1872 das Braurecht des Münchner Hofbräuhaus erwarb und seine eigene Weißbierbrauerei in München gründete. Eine Schneider Weiße kann man heute noch im Münchner Stammhaus im Tal genießen, am besten zusammen mit einem traditionellen Weißwurstfrühstück.



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