Bayern LB - Zwiespältige Geschichte einer bayerischen Bank
Sep 30th, 2008 | By Kudo | Category: Bayern Spezial
Die Geschichte der Bayern LB beginnt am 21. April 1884 mit der Unterzeichnung des “Gesetzes betreffend die Landeskultur-Rentenanstalt” durch König Ludwig II.
1884 bis 1929: Landeskultur- Rentenanstalt als staatliche Einrichtung
Ziel dieses Gesetzes war die Beschaffung von Finanzierungsmitteln für Flurbereinigungen und Entwässerungsmaßnahmen zur Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen und zum Zwecke der Modernisierung und Rationalisierung der überwiegend kleinbäuerlichen Anwesen in Bayern. Am 18.06.1884 folgte die Einsetzung der Landeskultur-Renten-Kommission durch die “Königlich Allerhöchste Verordnung”, die mit der Prüfung der Darlehens- Anträge und der Überwachung des Darlehensvollzugs und der Mittelverwendung beauftragt wurde. Die Kommission war vollständig dem Staatsministerium des Innern unterstellt und erledigte ihre Aufgaben nebenamtlich. Schon 1904 erreichte die Darlehenssumme der Landeskultur-Rentenanstalt 3 Millionen Mark, wobei sich Darlehenszusagen auf wenige Finanzierungsmaßnahmen beschränkte. Danach stieg das Darlehensvolumen sprunghaft an, insbesondere für dringend benötigte Wasserversorgungs- Einrichtungen in den ländlichen bayerischen Gemeinden.
1929 - 1972 Landeskultur-Rentenanstalt wird selbständig
1929 wird die Landeskultur-Rentenanstalt eine selbständige juristische Person des öffentlichen Rechts mit wesentlich erweiterten Aufgaben, insbesondere die Kreditvergabe für den sozialen Wohnungsbau. Ferner erhielt sie das Emissionsrecht für die festverzinslichen Landeskultur-Rentenbriefe. 1949 erfolgte die Umbenennung der Landeskultur-Rentenanstalt in Bayerische Landesbodenkreditanstalt.
1972 - Fusion Bayerische Landesbodenkreditanstalt und Bayerische Gemeindebank
Am 1. Juli 1972 fusionierten die Bayerische Landesbodenkreditanstalt und die Bayerische Gemeindebank zur Bayerischen Landesbank Girozentrale. Die Bayerische Gemeindebank war hervorgegangen aus der Girozentrale des Bayerischen Sparkassenverbandes, der am 09. Dezember 1914 durch die Vertreter der bayerischen Sparkassen zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gegründet wurde. Später wurden die Aufgaben erheblich erweitert, wobei die Versorgung der bayerischen Kommunen mit langfristigen Krediten im Mittelpunkt stand.
Die Bayerische Landesbank wurde mit einem Grundkapital von 400 Mio. DM ausgestattet, wobei der Freistaat Bayern und die bayerischen Sparkassen je zur Hälfte daran beteiligt waren. Fortan definierte sich die Landesbank hauptsächlich als Sparkassenzentralbank, Hausbank des Freistaates Bayern, Kreditinstitut der Kommunen und Universalbank mit Schwerpunkt im Wertpapier- und Auslandsgeschäft. Mit der Landesbausparkasse (1929 als Abteilung der Gemeindebank gegründet) wurden die Aufgaben im Städte- und Wohnungsbau erfüllt.
29.06.1983 - Milliardenkredit an DDR
1983 wandte sich die wirtschaftlich marode DDR mit der Bitte um Gewährung eines Milliardenkredits an die Bundesrepublik Deutschland, die seit 1982 unter der Kanzlerschaft der CDU und Helmut Kohls stand. Auch unter der SPD- Führung und Helmut Schmidt flossen schon seit Jahren Gelder in die DDR, jedoch stets unter der Voraussetzung, dass die SED-Führung Zugeständnisse in Sachen Menschenrechte machte. Da die DDR aber zuletzt nicht die gewünschten Reiseerleichterungen für DDR- Bürger gewährte, scheiterten die Darlehens- Verhandlungen zwischen der DDR und der damaligen SPD- Regierung unter Schmidt. Nicht so unter Helmut Kohl.
Als am 29. Juni 1983 feststand, dass die Bundesregierung eine Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Mark an die DDR übernimmt, folgte eine Darlehensgewährung an die DDR durch ein Konsortium westdeutscher Banken, geführt durch die Bayerische Landesbank. Und ausgerechnet Franz Josef Strauß führte die Verhandlungen - meist hinter verschlossenen Türen und unter 4 Augen - mit dem DDR- Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski. Legendär sind die Worte von Franz Josef Strauss beim Treffen mit dem DDR-Staatschef Erich Honecker im Jagdhaus „Hubertusstock“:
“Einen Handstand machen wir aber nicht”.
Edmund Stoiber, damals Leiter der Staatskanzlei, meinte zu diesem Geschäft:
„Wer Franz Josef Strauß kennt, weiß, dass er, wenn er etwas macht, es nie ohne Grund macht. Und einer der Gründe war, dass Franz Josef Strauß in Sachen Außenpolitik ein gewichtiges Wörtchen mitreden wollte.”
1993 - Beihilfe zur sittenwidrigen Schädigung von Anlegern bei Mega Petrol
1993 wurde die Bayerische Landesbank „wegen Beihilfe zur sittenwidrigen Schädigung“ verurteilt und musste erhebliche Schadensersatzforderungen an Kapitalanleger in ganz Deutschland zahlen. Was war passiert? 1978 gründeten Ernst Willner und Karl Schleicher die Münchener Ölbohrgesellschaft Mega-Petrol , um in großem Maßstab Öl- und Gasfelder zu erschließen und in noch größerem Ausmaß hohe Renditen zu erzielen. Die Geldgeber für das hochriskante Bohrgeschäft lockten die Gesellschafter mit dem Versprechen, die Einlagen mit bis zu 25 % zu verzinsen. Die Bayerische Landesbank versorgte die Gesellschaft zudem mit großzügigen Millionenkrediten. Da die Erträge aus den Öl- und Gasfeldern bald nicht mehr ausreichend waren, um die gemachten Versprechen und die Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, verwendeten die Gesellschafter Einzahlungen neuer Kommanditisten für die Befriedigung alter Kapitalgeber. Als dieses Schneeball-System 1981 aufflog, fanden sich keine neuen Kapitalgeber mehr und 1983 stürzte das Kartenhaus in sich zusammen. Ohne die weiteren Zwischenfinanzierungen durch die Bayerische Landesbank auf noch nicht eingezahlte Kommanditeinlagen wäre das System schon früher zusammengebrochen.
10 Jahre befassten sich die Gerichte mit der Mega- Petrol Geschichte und es ging dabei um rund 270 Millionen Mark von rund 2.000 Anlegern. Zu diesem Zeitpunkt war der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl nicht nur Verwaltungsratschef der Landesbank, sondern auch werbewirksames Aushängeschild Mega-Petrol Gesellschaften. Im Zuge der nachfolgenden Untersuchungen fand man heraus, dass die Bayerische Landesbank Mega-Petrol auch dann noch mit Darlehen unterstützte als das Schneeball- System bereits bekannt war. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss entschied jedoch später, dass der damalige Ministerpräsident Streibl in das System nicht verstrickt war.
2002 - Verstöße gegen Kreditwesengesetz bei Darlehen Kirch- Gruppe
Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Bonn hatte bei den Gläubigerbanken der Mediengruppe Kirch eine Sonderprüfung eingeleitet. Im Auftrag der Behörde wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Coopers & Lybrand aus Frankfurt am Main tätig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) übte deutliche Kritik an der Bayerischen Landesbank wegen ihres Engagements bei der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe.
Bei der Kreditvergabe an die Mediengruppe Kirch gab es gleich mehrfach Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften. Die Bank habe die Vergabe der Kredite an die Kirch-Gruppe nicht ausreichend geprüft und habe damit gegen das Kreditgesetz verstoßen, schreibt das Manager Magazin. Insgesamt war die Bayerische Landesbank mit zwei Milliarden Euro mit Abstand der größte Gläubiger der Kirch-Gruppe. Die Bundesaufsicht kritisierte außerdem, dass bei der Bayerischen Landesbank keine ausreichende Funktionstrennung im Kreditgeschäft bestanden habe.
2008 - BayernLB unter Druck in Subprime-Krise
Anfang 2008 geriet auch die BayernLB in Folge der Subprime-Krise unter finanziellen Druck. Die BayernLB hatte, ähnlich wie die IKB Deutsche Industriebank, in Immobilienkredite am Subprime-Markt investiert. Die Bank musste infolgedessen GuV-wirksame Wertberichtigungen in Höhe von 600 Mio. Euro vornehmen und weitere Buchwertminderungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro in ihren Handelspositionen vornehmen. Wegen der Immobilienkrise trat BayernLB-Chef Schmidt zum 1. März 2008 zurück. Im erstmals nach IFRS-Regeln aufgestellten Jahresabschluss 2007 hinterließ die Risikovorsorge ihre Spuren: Der Konzernüberschuss reduzierte sich von 1000 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 92 Millionen Euro im Jahr 2007.
Bei Veröffentlichung der Quartalszahlen 2008 hat sich das eigentliche Ausmaß der Krise gezeigt: Zu den Wertberichtigungen 2007 in Höhe von 2,3 Mrd. Euro kommen im 1. Quartal 2008 weitere 2 Mrd. Euro hinzu. Das kritische Gesamtportfolio beträgt gar 24 Mrd. Euro. Die Krise weitet sich auf die CSU und deren Parteivorsitzenden Erwin Huber aus, der als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Bank und Bayerischer Finanzminister mit verantwortlich gemacht wird. Auf Druck der Opposition im bayerischen Landtag wurde ein Untersuchungsausschuss zu den Belastungen der BayernLB eingesetzt.
Im zweiten Quartal 2008 hat sich die Situation jedoch teilweise wieder entspannt, die Summe des kritischen Gesamtportfolios konnte um 5 Milliarden von 24,9 Milliarden auf 19,9 Milliarden reduziert werden. Trotz weiterer Verluste aus dem in der Krise befindlichen US-Immobilienmarkt konnte im 2. Quartal ein Gewinn von 140 Millionen Euro erwirtschaftet werden, was nach 770 Millionen Verlust im 1. Quartal einen Gesamtverlust von 630 Millionen Euro im ersten Halbjahr ergibt. Ob es auf das Gesamtjahr hochgerechnet zu einem leichten Gewinn oder leichten Verlust kommen wird wollte die BayernLB noch nicht bekanntgeben und verwies auf die noch immer nicht vollständig durchschaubare Lage auf dem US-Immobilienmarkt.
Nach dem Ausstieg aus zukünftigen Geschäften auf dem US-Immobilienmarkt und der Konzentration auf die Märkte in Südeuropa plant die BayernLB eine Auslagerung des kritischen Gesamtportfolios im 4. Quartal 2008 bzw. 1. Quartal 2009. Hierzu wird durch die BayernLB selbst, den Eigentümern Freistaat Bayern und Sparkassenverband Bayern sowie der US-Investmentbank Goldman Sachs ein Risikoschirm in Höhe von 6 Milliarden Euro zur Auslagerung des kritischen Gesamtportfolios gebildet. Davon will die BayernLB 1,2 Milliarden Euro und gleichzeitig alle Verluste bis zu dieser Höhe als Ersthafter tragen. Darüberhinaus werden von Goldman Sachs 15 %, also 720 Millionen Euro, übernommen, den Rest in Höhe von 4,08 Milliarden Euro teilen sich der bayerische Staat und der Sparkassenverband Bayern.
2008 - Auswirkungen des Zusammenbruch der Lehmann Brothers??
Durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers werden bei der Bayern LB zusätzliche Belastungen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erwartet. Inwieweit das riskante Wertpapierportfolio durch die aktuellen Kursentwicklungen weiter belastet wird, wurde nicht bekanntgegeben. Die Geschäftszahlen zum 3. Quartal sollen Anfang November vorgelegt werden.
(Quelle: Wikipedia)










