Empfänger der EU Agrarsubventionen in Bayern

Sep 4th, 2009 | By Kudo | Category: Bayern Spezial

Bayern hatte sich lange geweigert, die Empfänger der EU Agrarsubventionen zu veröffentlichen und es sogar auf einen Streit mit der EU Kommission angelegt.

Inzwischen hat auch das Bundesland Bayern die Empfänger der EU Agrarsubventionen veröffentlicht. Was hatte die Bayern veranlasst, sich gegen die Veröffentlichung der Subventionen zu wehren, da es doch ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit gibt, wohin der Großteil der EU Subventionen aus dem Agrartopf fließen? An erster Stelle stand die Sorge, dass eine “Neiddebatte” angezettelt wird. Zum anderen verwies der Bayerische Bauernverband zurecht darauf, dass auch die Subventionen in anderen Branchen zu veröffentlichen seien, um ein verzerrtes Bild zu vermeiden.

Nun liegen die Namen und die Zahlen der Empfänger der EU Agrarsubventionen vor und es zeigt sich, dass die bayerischen Bauern eigentlich keinen Grund hatten, sich medienwirksam gegen die Veröffentlichung zu wehren. In der folgenden Aufstellung sind die Empfänger von EU Agrarsubventionen in Deutschland enthalten, die in 2008 am meisten Zuschüsse insgesamt erhalten haben. Hier zeigt sich, dass von den 25 größten Zahlungsempfängern nur 3 in Bayern ansässig sind. An erster Stelle steht die Molkerei Gropper in Bissingen mit einer Summe von 4.170.300 Euro, an zweiter Stelle das Wasserwirtschaftsamt Kronach mit 3.995.772 Euro und zuletzt die Südstärke GmbH in Schrobenhausen mit 2.953.638 Euro. Das schwäbische Unternehmen Molkerei Gropper erhielt die Zahlungen im vergangenen Jahr 2008 in Höhe von rund 4 Millionen Euro vor allem als Investitionszuschüsse für Molkereianlagen und Maschinen, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren gebaut sowie angeschafft hat.

Übersicht der größten Empfänger der EU Agrarsubventionen in 2008

Übersicht der größten Empfänger der EU Agrarsubventionen in 2008

Dehnt man die Liste auf die 100 größten Zahlungsempfänger, stellt man fest, dass unter den 100 am meisten subventionierten deutschen Betrieben nur 8 Empfänger in Bayern sind. Für die Hälfte der 120.000 bayerischen Bauern fallen Beträge unter 5.000 Euro im Jahr ab, während manche Einzelne mehr erhalten, die man nicht sofort im Sinn hat, wenn man an das Stichwort “Subventionen” denkt.

Zu den größeren Empfängern in Bayern zählen neben dem Wasserwirtschaftsamt Kronach auch die Wasserwirtschaftsämter Ingolstadt und Landshut und der Landschaftspflegeverband Mittelfranken, der die erhaltenen Zahlungen an viele einzelne Landwirte und andere Unternehmer weiterleitet, die sich vor allem im Wasserschutz und Landwirtschaftspflege betätigen. Da ist es schade, dass man diese Informationen erst nach mühsamen Recherchieren im Internet nachlesen kann.

In die Rubrik “Neiddebatte” kann man jetzt die Frage einordnen, warum ein Unternehmer wie Albert von Thurn und Taxis ebenfalls zu den vergleichsweise großen Zahlungsempfängern in Bayern gehört. In 2008 hat Albert von Thurn und Taxis immerhin mehr als 500.000 Euro erhalten, obwohl er laut Forbes unter die jüngsten Milliardäre dieser Welt einzuordnen ist.

EU Subventionen 2008 an Albert von Thurn und Taxis

EU Subventionen 2008 an Albert von Thurn und Taxis

Vielleicht ist es auch einfach falsch, die Zahlungen als Subventionen zu betiteln, da ein Albert von Thurn und Taxis sicherlich keine Subventionen nötig hat. Wenn es aber nicht um Subventionen geht, worum geht es dann? Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erklärt es so, dass

“sich die Förderung im Agrarbereich von Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Einführung von Innovationen über die Unterstützung besonders umwelt- und tiergerechter Produktionsverfahren, Ausgleichszahlungen für die von der Natur benachteiligten Regionen, u. a. zur Erhaltung eines attraktiven Landschaftsbildes für die einheimische Bevölkerung und den Tourismus, bis hin zu Fördermaßnahmen zur Dorferneuerung und -entwicklung sowie zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes erstrecken”.

Es geht also bei den “Subventionen” nicht nur darum, hilfsbedürftige Bauern oder Regionen zu unterstützen, sondern z.B. auch um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und die Einführung von Innovationen. Hiervon partizipieren große Unternehmen natürlich am meisten, wie man auch am Beispiel der Molkerei Gropper oder der Südstärke GmbH sehen kann.

Wer sich also mit dem Thema beschäftigt, stellt sehr schnell fest, dass man hier noch eine Menge Aufklärungsarbeit leisten muss. Im übrigen soll die Verteilung der EU Agrarsubventionen ab 2013 neu geregelt werden.

Wie wär`s hiermit?


Tags: , , , , , , , , , , , ,

Leave Comment