Grande Casino in den Bayerischen Spielbanken

25. April 2011 | Von | Kategorie: Bayern Spezial, Politik, Unternehmen, Virtuelles Bayern

Bayerns Spielbanken leider wie kaum eine andere Branche unter dem Rauchverbot in Bayern und der mächtigen Konkurrenz der privaten Spielhallen und vor allem des Internets.

Noch vor 10 Jahren lag der Umsatz der Bayerischen Spielbanken weit über 100 Millionen Euro, in 2010 waren es nicht einmal mehr 70 Millionen Euro. Von den neun Bayerischen Spielbanken in Bad Füssing, Bad Kissingen, Bad Kötzting, Bad Reichenhall, Bad Steben, Bad Wiessee, Feuchtwangen, Garmisch-Partenkirchen und Lindau machen nur noch die beiden Casinos in Feuchtwangen und Bad Füssing Gewinn. Das Heilbad Bad Füssing hat die Krise im Spielbanken-Geschäft bisher noch am besten überstanden, muss aber auch mit einem satten Minus beim Gewinn zurechtkommen. Trotzdem muss die Staatliche Lotterieverwaltung als Betreiberin weiterhin jährlich eine halbe Million Euro Leasingmieten für das Gebäude an die Gemeinde Bad Füssing überweisen. Die größten Verlustbringer in bayerischem Staatsbesitz sind die Casinos in Bad Steben und vor allem die Spielbank im ostbayerischen Bad Kötzting am Rand des Bayerischen Waldes. Hier macht sich das bayerische Rauchverbot wegen der Nähe zu Tschechien besonders stark bemerkbar, wo das Rauchen in den Casinos nach wie vor erlaubt ist. Einstmals waren die Spielbanken im Freistaat Bayern Gelddruckmaschinen, in 2011 wird ein Zuschuss aus Steuergeldern erforderlich sein, mit wenig Aussicht auf Besserung in der Zukunft.

Bayerische Spielbank Bad Wiessee

Bayerische Spielbank Bad Wiessee

Auch Bad Wiessee ächzt unter dem Schuldenberg, den man für den Neubau der Spielbank in Bad Wiessee am Tegernsee aufgenommen hat. Würde man dieses Sonderdarlehen offen in den Büchern als Verbindlichkeiten ausweisen, wäre Bad Wiessee sogar überschuldet. Da hinter dem Darlehen jedoch die Staatliche Lotterieverwaltung steht, erscheint die Lage nicht ganz so dramatisch zu sein. Und mal ganz ehrlich, was wäre denn Bad Wiessee ohne die Spielbank? Nichtsdestotrotz sind die sinkenden Einnahmen der Gemeinde aus der Spielbank bei genaum Hinsehen spürbar und sichtbar. Beim Straßen- und Wohnungsbau muss in Bad Wiessee vehement gespart werden. Für einen monströsen Raucherbereich war jedoch Geld da und die Genehmigungsfähigkeit dieses „Raucheraußeninnenbereich“ wurde an verschiedenen Stellen stark angezeifelt.

Alles in allem ist es nicht verwunderlich, dass die Bundesländer über einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag verhandeln, der die Regeln für private Betreiber sog. Spielhallen deutlich restriktiver schnüren soll. Hinzu kommen die vielen zum Teil recht attraktiven Internet-Casinos, von denen die meisten am Fiskus vorbei von exotischen Steueroasen aus agieren und ihre Millionen einsacken. Es wäre jedoch zu einfach, die Schuld allein hier zu suchen, da z.B. Macau seit Jahren wächst und trotz Internet immer mehr Umsatz macht und Las Vegas als größte Casinostadt längst abgelöst hat. Hier haben vor allem neue Formen von Poker für Begeisterung bei den Besuchern gesorgt und neue Spieler aus ganz Asien angelockt. Auf der anderen Seite hat der Staat auch eine gewisse Verpflichtung, die Menschen vor der Zerstörung ihrer Existenz zu bewahren und Spielsucht ist eine gefährliche Krankheit für die Betroffenen, da sie recht schnell in den Ruin führen kann. In diesem Zusammenhang mutet es für mich jedoch immer befremdlich an, wenn der Staat selbst solche Institutionen betreibt, die am Glücksspiel mitverdienen.

Manche Politiker führen nun genau dieses Argument ins Spiel und meinen:

„Es gibt so oder so viele Menschen, die spielen wollen. Dann ist es doch besser, sie tun dies in einer staatlich kontrollierten Spielbank mit Passkontrolle anstatt in einer anonymen und privat betriebenen Spielhalle.”

In diesem Sinne denkt man in der Politik sogar darüber nach, in den bayerischen Metropolen München, Nürnberg und Würzburg weitere staatlich kontrollierte Spielhallen zu eröffnen.

Wenn man ein paar einfache Regeln beherzigt, kann ein Abend in Bayerns Casinos – trotz Rauchverbot – durchaus großen Spaß machen. So sind Casinos zum Spielen und nicht zum Geld verdienen, sowohl im Real Life als auch im Internet. Man fährt auch gut damit, wenn man ein bestimmtes Budget zum Spielen in der Tasche hat und jegliche Möglichkeiten ausschließt, dieses Budget zu erhöhen. So habe ich immer einen bestimmten Geldbetrag in der Tasche und sämtliche EC- und Kreditkarten bleiben zuhause. Geld leihen zum Spielen ist sowieso tabu. Bis jetzt hatte ich jedoch meistens Glück beim Spiel und bin mit mehr Geld nach Hause gefahren. Man muss nur rechtzeitig aussteigen.

Mit Kartenspielen hatte ich es bis jetzt noch nicht so, aber auch in den staatlichen Casinos im Freistaat Bayern hält die Begeisterung um Poker Einzug. Es ist vor allem die Variante Texas Holdem, welche derzeit in aller Munde ist. So kann man mittlerweile in allen neun Spielbanken Poker mit leicht unterschiedlichen Angeboten finden. Poker ist jedoch mehr als ein Glücksspiel, weil man auch strategisches Denken, Menschenkenntnis und Disziplin benötigt, um erfolgreich zu spielen. Hier tritt man nicht wie bei den übrigen Casino Spielen wie Black Jack oder Roulette gegen die Bank an, sondern sitzt anderen Mitstreitern gegenüber, so dass die richtige Poker Strategie über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet. In der Variante Texas Hold’em No Limit werden sogar Pokerturniere gespielt. Die bayerische Variante nennt sich Bavarian Texas Hold’em, wo man gegen die Bank spielt. Minimum-Einsatz sind 5 Euro, Maximum 500 Euro.



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Ein Kommentar auf "Grande Casino in den Bayerischen Spielbanken"

  1. [...] erkennt man schnell, wo die Menschen aus Asien zukünftig zum Spielen und Shoppen hingehen. Unsere Casinos in Bayern, beispielsweise in Bad Wiessee am Tegernsee, wirken im Vergleich dazu gerade lächerlich. Von [...]

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