Olympia 2018 in Bayern vor dem Aus?
23. Juli 2010 | Von Kudo | Kategorie: Bayern Spezial, Olympia 2018
München ist Candidate City, aber von Olympia 2018 scheinbar weiter entfernt denn je. Es sollten die Olympischen Spiele der Bayern werden. Transparent, bürgernah und umweltfreundlich.
Das Ziel der bayerischen Bewerbung – oder besser gesagt der Traum – waren Olympische Spiele 2018 in Bayern. Das Mini-Bid Book hat das IOC bereits überzeugt, so dass sich München inzwischen Candidate City nennen darf. Doch die Stadt München ist nicht alleine ins Rennen gegangen um Olympia 2018. Das Bewerbungskonzept beruht vielmehr auf dem Clusterprinzip “München +2″, wonach die Olympischen Spiele auf die Stadt München, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden verteilt werden. Die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Bewerbung um die Olympischen Spiele sollten so transparent und bürgernah wie möglich erfolgen. Das begann auch recht vielversprechend mit der Auswahl des Logos für Olympia 2018.
Eigentlich müsste die Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH schon an der Ausarbeitung des ausführlichen Bid Book arbeiten, das im nächsten Jahr beim IOC einzureichen ist und anhand dessen die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Spiele 2018 erfolgt. Doch so weit ist man in Bayern noch nicht, nicht einmal annähernd. Die Bewerbungsgesellschaft München 2018 weiß bis heute noch nicht einmal, ob in Garmisch-Partenkirchen überhaupt Olympische Spiele stattfinden können, ganz zu schweigen in welchen Sportstätten. Davon wiederrum sind die Kosten der Durchführung abhängig, wobei die Bewerbungsgesellschaft in Person von Willy Bogner in den vergangenen Tagen ja schon medienwirksam kundgegeben hat, dass die finanziellen Mittel vorne und hinten nicht ausreichen.
Oberammergau ist schon raus und Garmisch-Partenkirchen schickt sich ebenfalls an, die illustre Runde “München +2″ zu verlassen. Die Entscheidung über den Traum von Olympia 2018 in Bayern entscheidet sich also doch möglicherweise schon vor 2011 und hier in Bayern, nicht in Durban (Südafrika). Der Knackpunkt sind die Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen, die für die Ausrichtung Olympischer Spiele vor Ort benötigt werden. Die Rede ist von 80 Grundstückseigentümern, von denen bislang 2 den Gestattungsvertrag mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH unterzeichnet haben.
Die einen stören sich an der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH als Vertragspartner, die anderen an der ungenauen Beschreibung im Vertrag, was mit ihren Grundstücken passieren soll. Bei manchen geht es ums Geld, bei anderen einfach nur um die Sorge um die Heimat. Inzwischen hat sich Siegfried Schneider, Chef der Bayerischen Staatskanzlei, in die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern in Garmisch-Partenkirchen eingeschalten. Doch auch er konnte die Grundstückseigentümer gestern nicht überzeugen, dass alles in Ordnung sei. Man fragt sich jedoch, warum diese Gespräche erst jetzt stattfanden. Hat man die Situtation in Garmisch-Partenkirchen unterschätzt? Kann eigentlich nicht sein, da von dort schon seit vergangenem Jahr deutliche Vorbehalte gegen Olympische Spiele bestehen.
In Bayern 2 habe ich heute das Tagesgespräch zu Olympia 2018 verfolgt. Eingeladen war eigentlich eben jener Siegfried Schneider, der vor Ort in Garmisch-Partenkirchen mit allen Kompetenzen die Wogen glätten sollte. Kurzum, Siegfried Schneider kam nicht. Die Staatskanzlei hatte den Termin bei Bayern 2 wenige Stunden vorher abgesagt. Jeder möge sich selbst ein Urteil daraus bilden. Ersatzweise beantwortete Dr. Michael Vesper, seinerseits Generaldirektor beim Deutschen Olympischen Sportbund, die Fragen der Zuhörer. Sehr treffend wies der erste Anrufer darauf hin, dass die versprochene Transparenz und Bürgernähe der Bewerbung um Olympia 2018 inzwischen sehr deutlich gelitten habe. Mehrere Anrufer brachten Ruhpolding ins Spiel, wo man auf bereits bestehende Einrichtungen zurückgreifen könnte. Auch der Münchner Oberbürgermeister Ude schaltete sich in die Diskussion im Radio ein und gab zu Garmisch-Partenkirchen folgende Bemerkung ab:
“Die Reihenfolge der Gespräche in Garmisch-Partenkirchen war suboptimal.”
Eine sichtlich emotional sehr erregte Grundstückseigentümerin forderte Dr. Vesper auf, sich die Natur und Landschaft in Garmisch-Partenkirchen anzuschauen, die schon in Vorbereitung auf die WM 2011 schwer leiden musste.
Nachtrag vom 18.08.2010:
Es vergeht derzeit kaum eine Woche ohne neue Diskussionen um die bayerische Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018. Alle Aktivitäten der bayerischen Staatsregierung und der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH konnten jedoch weder die Mehrheit der Grundstückseigentümer in Garmisch-Partenkirchen noch die Umweltschützer überzeugen. Letztere kündigen nun sogar unter Führung vom Bund Naturschutz (BN) ein Bürgerbegehren in Garmisch-Partenkirchen an.
Förster und Naturschützer Doering schickt parallel dazu recht deutliche Worte in Richtung Horst Seehofer:
“Die Herzen der Menschen, die der Herr Seehofer gewinnen will, die hat er längst verloren.”
Und den Verantwortlichen bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH wirft er Arroganz vor bei der Planung der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen vor. Diesbezüglich muss man nach all der Kritik am Verlauf der Verhandlungen aus unterschiedlichsten Richtungen deutlich die Frage stellen, ob “Willy Bogner” als Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH noch der richtige ist. Bei allem Verständnis wird für mich eine Grenze überschritten, wenn ein Geschäftsführer Willy Bogner von den Menschen in Garmisch-Partenkirchen fordert, dass sie
“nun für die vielen Subventionen etwas zurückzahlen müssen.”
Erstens haben Subventionen zugunsten der Bauern in Garmisch-Partenkirchen nichts mit Olympischen Spielen zu tun und zweitens hat diese Subventionen nicht die Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH bezahlt und erst recht nicht Willy Bogner. Wenn der Bund Naturschutz daher Willy Bogner “dilettantisches Vorgehen” vorwirft, kann ich mir ein Kopfnicken kaum verkneifen.
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[...] spärlich bemessen. Derzeit stockt die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2018 in Bayern wegen Unstimmigkeiten mit den Grundstückseigentümern in Garmisch-Partenkirchen. Die Bewerbungsgesellschaft hat den Grundstückseigentümern einen sog. Gestattungsvertrag [...]
Die Unterlagen für die Bewerbung sind jetzt abgegeben. Ich wünsche Garmisch und München viel Erfolg bei der Bewerbung. Es wäre Schade wenn die Bewerbung scheitert.