Fastenzeit in Bayern

23. Januar 2010 | Von | Kategorie: Essen & Trinken

Am Aschermittwoch beginnt in Bayern die alljährliche 40-tägige Fastenzeit, die bis zum Karsamstag andauert und traditionell Fleisch, Alkohol und andere Genüsse verbietet.

Die Fastenzeit hat bereits eine lange Tradition in Bayern und beinhaltet eine Zeit der Enthaltsamkeit, die in allen großen Weltreligionen verankert ist. Das Ziel der Fastenzeit ist ein Verzicht auf leibliche Genüsse, um Platz für spirituelle Erfahrungen und ein erweitertes Bewusstsein zu schaffen. Heutzutage hat die Fastenzeit über das Religiöse hinaus die Bedeutung des “Loslassens von schlechten Gewohnheiten hin zu einem bewussten und gesunden Leben”. Dabei bleibt jedem mehr oder weniger selbst überlassen, was er darunter versteht. Während die einen sich tatsächlich für 40 Tage von allen kulinarischen Genüssen verabschieden, nehmen sich die anderen vor, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Man sollte es sich jedoch nicht allzu einfach machen und im Sinne der Tradition der Fastenzeit tatsächlich auf die lieb gewonenen Genüsse wie Fleisch, Alkohol, Zigaretten und andere ungesunde Gewohnheiten verzichten, um das Bewusstsein auf eine gesündere Lebensweise zu konzentrieren. Dazu gehört dann auch, anstelle der Rolltreppe oder des Aufzugs die Treppe zu benutzen, anstelle des Feierabends vor dem Fernseher den Spaziergang in der frischen Luft zu unternehmen.

Zu den traditionellen Fastenspeisen in Bayern gehören auch heute die Fisch in allen Zubereitungsformen und -arten. Natürlich darf in Bayern das extrastarke Bier nicht fehlen, das schon die Mönche des Paulanerordens während der Fastenzeit brauten, um nicht vollends vom Fleisch zu fallen. Während alles erlaubt war, was im oder auf dem Wasser schwimmt, sind neben Fleisch alle Milchprodukte und Eier verboten, die damals auch als “flüssiges Fleisch” bezeichnet wurden.

Traditionell beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch mit einer Mehlspeise oder einem Fischgericht im Kreise der Familie. In vielen bayerischen Kalendern findet man daher den Hinweis auf den Dampfnudelbacktag. Da die Fastenzeit in Bayern auch immer die Läuterung der Seele bezweckte, war es seit jeher Brauch, die Menschen am Aschermittwoch zur Buße für die begangenen Sünden aufzufordern. Hieraus hat sich in Bayern der Politische Aschermittwoch entwickelt, wo sich die politischen Parteien in Passau und Vilshofen zur Belustigung der Zuschauer einen kräftigen Schlagabtausch liefern. Ebenfalls am Aschermittwoch findet in München das traditionelle Geldbeutelwaschen statt, das schon im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wird. Ursprünglich wurde dieser Brauch von armen Leuten ausgebübt, um die Münchner Dienstherrn aufzufordern, die leeren Geldbeutel wieder aufzufüllen. Heutzutage treten die Münchner Bürgermeister auf dem Marienplatz auf, um beim Geldbeutelwaschen im Fischbrunnen auf den leeren Stadtsäckel aufmerksam zu machen.

Zur Freude vieler Bayern ist die Fastenzeit auch die Zeit der Starkbiere, die hier und da auch “die 5. Jahreszeit in Bayern” genannt wird. Wenn dann an Ostern die 40 Tage Fasten vollbracht sind, darf man wieder schlemmen und die abgespeckten Kalorien mit Ostereiern und festlichen Gerichten auffüllen.



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Tags: Alkohol, Aschermittwoch, bayerisch, Bayern, Bier, Brauch, Dampfnudelbacktag, Fasten, Fischbrunnen, Geldbeutelwaschen, Geschichte, Marienplatz, München, Passau, Paulaner, Starkbier, Tradition, Vilshofen

5 Kommentare auf "Fastenzeit in Bayern"

  1. [...] sind die hohe Kunst des Brauwesens und besonders im Winter und Frühjahr während der Fastenzeit sehr beliebt. Als Begründer der bayerischen Starkbiere mit den malzigen, eher süßen [...]

  2. [...] in Bayern mehr oder weniger auf Fleisch und andere Genüsse verzichten. In Bayern hat die Fastenzeit eine lange Tradition. Während es früher noch in erster Linie um eine Zeit der [...]

  3. [...] Sternhagel (ein echtes Highlight mit 9,5% alc., das zur Fastenzeit in Bayern gebraut wird und nur in sehr kleinen Mengen verfügbar [...]

  4. [...] Stadtteil Au und war auch bekannt für seine strengen Fastenregeln, die den Mönchen während der Fastenzeit nur flüssige Nahrung erlaubten. Nachdem Kurfürst Maximilian I. 1629 dem Paulanerkloster das [...]

  5. [...] Brauereien unter Einhaltung des Reinheitsgebots gebraut werden und zur Starkbierzeit bzw. Fastenzeit in Bayern ausgeschenkt [...]

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