Starkbierzeit in München
7. März 2009 | Von Watzmann | Kategorie: Geschichte
Im Anschluss an Fasching beginnt in München mit der Fastenzeit die 5. Jahreszeit, wenn die Münchner Brauereien traditionell Starkbier ausschenken und die Starkbierfeste gefeiert werden.
Stammwürze
Wir geben hier einen kurzen Abriss über die Entwicklung des Starkbier, das während der Starkbierzeit traditionell in München ausgeschenkt wird. Starkbier zeichnet sich durch eine hohe Stammwürze von über 16% aus und wird auch Bockbier genannt. Beim Doppelbock sind es sogar mehr als 18% Stammwürze. Wie der Name schon sagt, ist auch der Alkoholgehalt beim Starkbier höher als bei anderen Biersorten und liegt zwischen 5% und 10%. Trinken kann man das Starkbier hell oder dunkel. Zum Entstehen der Starkbierzeit in München gibt es zwar viele Geschichten, aber folgende wird wohl am nächsten an der Wahrheit liegen:
Bockbier
Bis zur Gründung des eigenen Hofbräuhaus in München in 1589 importierte der herzogliche Hof der Wittelsbacher ein obergäriges Bier mit einer ungewöhnlich hohen Stammwürze aus der ehemaligen Hansestadt Einbeck in Niedersachsen, wo man seit 1240 dieses Bier braute. Nachdem der Braumeister Elias Pichler von Einbeck 1614 an das Hofbräuhaus abgeworben wurde, braute dieser dann hier sein Ainpöckisch Bier, woraus sich im Laufe der Zeit die Bezeichnung Bockbier entwickelte.
Paulaner Doppelbock
Während der Gegenreformation zu Zeiten des bayerischen Kurfürst Maximilian I. gründeten Mönche des Paulaner- Orden 1627 in München das Kloster Neudegg ob der Au, das den Ordensbrüdern strenge Fastenregeln auferlegte, insbesondere während der Fastenzeit nur flüssige Nahrung zu konsumieren. Vor allem den Mönchen aus Italien fiel die Einhaltung dieser Fastenregel während des ausklingenden Winter in München schwer. Nach der Klostergründung in München diente den Mitgliedern zunächst das ainpöckische Bockbier aus dem Hofbräuhaus gegen den Hunger, weil es sehr kalorienhaltig war und kräftigend wirkte.
Paulaner Salvator
Als die Paulaner 1629 von Kurfürst Maximilian das Braurecht erhielten, war dies der Startschuss für ein eigenes Bockbier, dessen Stammwürze ganz im Sinne der Sättigung während der Fastenzeit nochmals erhöht wurde. Aus dem Sankt-Vaters-Bier zu Ehren des Ordensgründer Franz von Paola wurde Salvator-Bier, das alljährlich bis zum Todestag des Franz von Paola am 2. April gebraut wird.
Bruder Barnabas und die Starkbierzeit
Die Tradition der Münchner Starkbierzeit begann dann mit Frater Barnabas, der als Braumeister der Paulaner in München alljährlich den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zum Anstich des Starkbier am 2. April einlud und ihm den ersten Krug Starkbier ausschenkte. So wurde 1780 das Schankrecht der Paulaner in München geboren. Als die Paulaner während der Säkularisation 1800 enteignet wurden, fiel das Kloster und die Brauerei in München an den Kurfürsten Maximilian IV. Joseph, der diese an Franz Xaver Zacherl verpachtete. Zacherl führte die Tradition des alljährlichen Starkbieranstich fort, die sich bis heute zum “Derbleckn der Prominenten” am Nockherberg entwickelte.
Triumphator, Maximator, Unimator, Animator
Als ab 1840 auch andere Münchner Brauereien begannen, Doppelbockbier unter dem Namen Salvator zu brauen und zu verkaufen, klagte Zacherl dagegen. Da Zacherl vor Gericht Recht bekam, mussten die anderen Münchner Brauereien ihren Doppelbock umbenennen, wobei die Nachsilbe -ator in der Regel beibehalten wurde.
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[...] Salvatorprobe auf dem Nockherberg blieb bis heute erhalten und ist nach wie vor das Highlight der Starkbierzeit in München. Salvator [...]