Oliver Kahn in China

16. Januar 2010 | Von | Kategorie: Internet & Medien

Ex-Torwart Oliver Kahn macht in China den Bohlen und castete junge Talente im chinesischen Fernsehen. Dabei erlangte er in China Kultstatus.

Nach seiner Karriere als Torwart des FC Bayern München castete Oliver Kahn in China junge Fußballtalente. Oli Kahn hat das ernorme Potential junger Menschen und Talente in Asien erkannt und natürlich auch den riesigen Fernsehmarkt China. Neben Kahn fällt mir nur Gottschalk ein, der es mit seiner Sendung “Wetten, dass …” nach China geschafft hat und von den dortigen Zuschauerzahlen schwärmte. Dank seiner Paraden während der WM 2002 in Südkorea – und vielleicht auch wegen der Tragödie gegen Brasilien im Endspiel – wurde Kahn in Südkorea, Japan und China ein bekanntes Gesicht, vielleicht ähnlich bekannt wie Lang Lang in Deutschland. Kahn sagte selbst über sein Engagement in Asien:

“Ich habe diese Länder immer wieder besucht, war in China, Japan und Korea und habe dort viele Freunde gewonnen. Die Mentalität der Leute dort liegt mir sehr. Ich freue mich auf die Zeit dort, und die Arbeit wird mich sicher ein paar Jahre in Anspruch nehmen.”

Einige werden nun fragen: Wer ist Lang Lang? Der ist in China ein noch größerer Star und Held, als das Oliver Kahn in Deutschland je war oder hätte werden können. Darüber hinaus ist Lang Lang bei allen Chinesen beliebt und Vorbild zugleich, weil er dank Fleiß und Disziplin eine internationale Karriere ohne Beispiel erreicht hat. Lang Lang ist derzeit einer der erfolgreichsten und besten Pianisten der Welt. Trotzdem oder gerade deswegen war ich ziemlich verdutzt, als ich im Beijing National Theatre in Peking ein Foto der beiden entdecke, was den Kultstatus von Oliver Kahn in China jedoch nur unterstreicht.

Oliver Kahn und Lang Lang

Oliver Kahn und Lang Lang

China steht derzeit wegen des Disputs mit Google über Zensur des Internet im Kreuzfeuer der Kritiker, die das Internet für alle frei zugänglich machen wollen, ohne staatliche Eingriffe und Regulierung. Selbst die auf den ersten Blick so harmlose Sendung “China sucht den Super-Torwart” war angeblich Opfer staatlicher Zensur, was Oliver Kahn selbst jedoch als eher harmlos empfand:

“Da gab es eben ein paar unterhaltende Elemente, die in den Augen der Behörden nicht in das Konzept einer Wettkampfshow passten; die Änderungen seien “marginal”. Ich bin Sportler und weit weg davon, derlei gleich zu politisieren. Überhaupt wehe in China “ein ganz eigener Wind”. Ich bin ein bisschen verwundert, wie oft sich manch einer im Westen anmaßt, über China zu richten, ohne jemals dort gewesen zu sein.”

Hört, hört. Und das aus dem Mund unseres Oli Kahn. Dass in China “ein ganz eigener Wind” weht, ist in der Tat so. Bei einem Umtauschverhältnis von 1:10 kann man in China mit 1 Euro bereits eine Menge kaufen bzw. verspeisen. Der chinesische Markt ist derart berauschend groß, dass man sich davon kaum eine Vorstellung machen kann. Betrachtet man sich nur einmal den chinesischen Biermarkt, bekommt so mancher bayerischer Bierbrauer feuchte Augen. Nehmen wir als Beispiel die Yanjing Brauerei in der Hauptstadt Peking, die erst 1980 gegründet wurde. Heute ist sie schon die größte Brauerei in China, mit einem jährlichen Ausstoss von mehr als 4 Millionen Tonnen Bier, über 20.000 Angestellten und das bei einem jährlichen Wachstum des Biermarkt von 10%. Da ist es nicht überraschend, dass sich die Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt zunehmend zu Lasten Europas und zu Gunsten von China verändert.

Übrigens, China`s Supertorwart heißt Yin DePei und trainiert derzeit auf Schalke. Da fragt man sich natürlich schon, warum Oliver Kahn sein Talent nach Schalke schickt. Waren die Bayern nicht interessiert?



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