Good-bye Kultur, Schrannenhalle

12. August 2009 | Von | Kategorie: Kunst & Kultur

Mit gutem Vorsatz ist man beim Wiederaufbau der Schrannenhalle an historischer Lage gestartet. Kultur, Handwerk, Kunst, Gastronomie war gewollt.

Am kommenden Freitag eröffnet die Münchner Schrannenhalle wieder ihre Pforten, aber von dem ursprünglichen Konzept ist nach vielen gescheiterten Anläufen nicht mehr viel übrig geblieben.

Wie der Name schon sagt, handelte sich bei der Schrannenhalle ursprünglich um eine Getreidehalle, die von 1851 bis 1853 von Karl Muffat am Rande des Viktualienmarkt erbaut wurde. Damals war die Konstruktion der Schrannenhalle aus Glas und Eisen eine architektonische Pionierleistung in München, die notwendig geworden war, weil der bis dahin als Getreidemarkt genutzte Marienplatz zu klein geraten war.

Die Lobeshymnen auf die neue Schrannenhalle in München ging jedoch zunehmend in Kritik über, da den Händlern die Entfernung zum Hauptbahnhof zu weit war. Darüber hinaus nahm der Getreidehandel zum Ende des 19. Jahrhunderts auch noch spürbar ab, so dass die beste Zeit der Schrannenhalle schon nach wenigen Jahren ihrer Errichtung wieder vorbei war. Nachdem sich der Getreidehandel 1912 in die neue Großmarkthalle am Südbahnhof verschob, wurde die Schrannenhalle zwischen 1914 und 1927 wieder demontiert und teilweise abgebaut. Zu allem Unglück brannte der verbliebene Teil der Schrannenhalle 1932 aus und wurde zerstört.

Dabei wäre es sicherlich auch geblieben, wenn nicht der Architekt und Stadthistoriker Volker Hütsch 1978 ein 110 Meter langes Teilstück der demontierten Schrannenhalle bei den Stadtwerken München entdeckt hätte. Und aufgrund der gutachterlich bestätigten Machbarkeit eines Wiederaufbau der Schrannenhalle an historischer Stätte ergab sich für den Stadtrat München sozusagen eine “historische Pflicht”, die Schrannenhalle mit dem entdeckten Teilstück wieder aufzubauen. Die Nutzung des Grundstücks als Parkplatz war ja auch nicht wirklich eine dauerhafte Alternative, insbesondere angesichts der durchaus gelungenen Entwicklung und Gestaltung des St. Jakobs Platz.

Schrannenhalle am St. Jakobs Platz

© 2008 Schrannenhalle am St. Jakobs Platz

Der Wiederaufbau der Schrannenhalle begann nach langen Querelen und Auseinandersetzungen jedoch erst 2003 und konnte im September 2005 mit der feierlichen Eröffnung der Schrannenhalle abgeschlossen werden. 34 Millionen hat der Wiederaufbau der Schrannenhalle gekostet, finanziert zu einem großen Teil aus Steuereinnahmen der Stadt München. Im Gegenzug ließ sich der Stadtrat zusichern, dass neben Gastronomie und kommerziellen Veranstaltungen auch eine kulturelle Nutzung der Schrannenhalle dauerhaft gewährleistet ist.

Dann folgte schon 2008 wieder der totale Absturz, als die Schrannenhalle unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Ganz ehrlich gesagt, wurde mir aus dem Wust der Verantwortlichen und der gegenseitigen Vorwürfe, Unterstellungen und Richtigstellungen bis heute nicht klar, was eigentlich schief gelaufen ist. Eines gilt jedoch als sicher, dass das ursprünglich angedachte Konzept der Dreiteilung der Schrannenhalle in Kultur, Handwerk und Gastronomie von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Wer so ein Projekt an exponierter Lage und mit einer solchen gewaltigen Investitionssumme auf die Beine stellen und auch dauerhaft unterhalten soll, ist auf ordentliche und stetige Einnahmen angewiesen. Und wie jeder weiß, bringen kulturelle Veranstaltungen eben nicht die notwendigen Einnahmen.

Man darf gespannt sein, wie es mit der “unheilvollen” Schrannenhalle weitergeht. Wenn man sich jedoch die Geschichte der Schranne anschaut, verspricht die Zukunft nicht viel Gutes. Der vorherige Parkplatz war natürlich keine Alternative. Vielleicht hätte man einfach den Viktualienmarkt vergrößern sollen?



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Tags: Gastronomie, Geschichte, Kunst, Marienplatz, München, Schrannenhalle, Stadt, Stadtrat, Viktualienmarkt, Volker Hütsch

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