Ai Weiwei im Haus der Kunst mit “So sorry”

12. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Kunst & Kultur

In China ist Ai Weiwei längst ein berühmter Künstler und Architekt, in Deutschland bekannt durch seine Teilnahme an der documenta 12.

Die Ausstellung von Ai Weiwei im Haus der Kunst namens “So sorry” greift das Thema auf, dass sich Politiker, Wirtschaftsbosse und andere Verantwortungsträger allzu leicht mit einem “Entschuldigung, tut mir leid.” aus dem Staub machen können, nachdem sie unzähligen unschuldigen Opfern Leid, Schmerz und Schaden zugefügt haben. Es ist weltweit die erste große Einzelausstellung von Ai Weiwei und sie ist wahrlich gelungen und beeindruckend. Es ist nur leider zu befürchten, dass die Botschaft von Ai Weiwei in den vielen anderen Botschaften rund um seine Person und Bilder untergehen wird. Noch viel mehr ist zu befürchten, dass man seine Botschaft nur allzu leicht auf die Regierung in China reduziert, obwohl es sich um ein weltweites Problem handelt.

Der Besucher der Ausstellung “So sorry” wird schon außerhalb des Haus der Kunst von der imposanten Installation “Remembering” empfangen, die an die Opfer des Erdbeben in Sichuan erinnern soll, darunter auch Tausende von Kindern, die in dem Erdbeben von Sichuan 2008 umkamen.

Ai Weiwei - Remembering

© 2009 Ai Weiwei - Remembering

An der Außenfassade des Haus der Kunst hat Ai Weiwei hierzu 9.000 Rucksäcke in verschiedenen Farben aufgehängt, die in chinesischen Schriftzeichen den Satz formen:

“Sieben Jahre lebte sie glücklich in dieser Welt.”

Ai Weiwei - Remembering back

© 2009 Ai Weiwei - Remembering (von hinten)

Das schwere Erdbeben in Sichuan geschah am 12. Mai 2008 um 06:28:01 UTC (14:28:01 Uhr Ortszeit). Das Erdbeben war selbst in den Städten Peking, Shanghai, Hanoi und Bangkok zu spüren, die teilweise über 1.500 Kilometer entfernt sind. Durch das Erdbeben wurden in Sichuan und den anliegenden Provinzen mehr als 5 Millionen Gebäude beschädigt und 5,8 Millionen Menschen obdachlos. Zum Vergleich, in München leben rund 1,3 Millionen Einwohner. Nach offiziellen Angaben starben durch das Erdbeben rund 70.000 Menschen und rund 375.000 wurden teilweise schwer verletzt. Knapp 18.000 Menschen werden noch vermisst. Komplette Dörfer, ganze Straßenzüge, Fabriken und Schulen sind infolge des Erdbeben zusammengebrochen. Wegen zahlreicher Staudämme in der Umgebung waren zeitweise bis zu 750.000 Menschen von Überschwemmungen bedroht.

Kritische Stimmen in China, darunter auch Ai Weiwei, wollen vor allem deshalb auf das Schicksal der vielen toten Kinder in Sichuan aufmerksam machen, weil diese nach ihrer Ansicht Opfer einer falschen Baupolitik und sog. Tofu- Gebäude geworden sind, die infolge des Erdbeben als erstes einstürzten und die Kinder in den Schulgebäuden verschütteten. Sie wollen auf Missstände und Fehler in der Baupolitik aufmerksam machen und die Verantwortlichen hierfür finden. Eine Entschuldigung und Weiter wie bisher kann es angesichts der großen Zahl der Opfer nicht geben. Die Verantwortlichen zu finden ist jedoch nicht so einfach und mit vielen Hürden und Gegnern verbunden. Das ist jedoch kein spezifisch chinesisches Problem, sondern ein weltweites. Erinnern wir uns nur an das Unglück in Bad Reichenhall, wo am 02. Januar 2006 eine Eislaufhalle einstürzte und 15 Menschen starben und 34 weitere verletzt wurden. Von den 15 Toten waren 12 Kinder. Laut einer Zeugenaussage vom 12. Juni 2008 hat die Stadtverwaltung von Bad Reichenhall von der Einsturzgefahr der Eishalle gewusst und sogar den Vorstand des Eishockeyclub vor einem Einsturz der Eishalle gewarnt. Trotz der 15 Toten und vielen Verletzten wurde nur der Konstrukteur des Daches wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. In diesem Fall gab es nicht einmal ein “So sorry.”



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Tags: Ausstellung, Bad Reichenhall, Eishalle, Haus der Kunst, Installation, Kunst, Politik, Remembering

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