Streit um Madame Soler von Picasso

25. Januar 2012 | Von | Kategorie: Geschichte, Kunst & Kultur

Streit um Madame Soler von Pablo Picasso zwischen den Erben Mendelssohn-Bartholdy und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.

Kunstwerke des berühmten spanischen Künstlers Pablo Picasso erzielen Höchstpreise in Auktionen und wecken daher Begehrlichkeiten. Dazu gehört sicher auch Picassos Gemälde Madame Soler, das zu den eher bekannten Gemälden von Picasso gehört, um das nun gestritten wird. Auf der einen Seite befinden sich die Erben des jüdischen Bankiers und Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy, auf der anderen Seite die Bayerische Staatsgemäldesammlung in Vertretung der Pinakothek der Moderne in München, wo Madame Soler derzeit ausgestellt ist. Paul von Mendelssohn-Bartholdy wurde am 14. November 1875 in Berlin geboren und starb auch dort am 10. Mai 1935.

Die Erben von Mendelssohn-Bartholdy berufen sich auf die Washingtoner Erklärung aus dem Jahre 1998, wonach öffentliche Museen, Archive und Bibliotheken in Deutschland zur Auffindung sog. “Nazi-Raubkunst” beitragen sollen. Wird ein Kunstwerk als sog. Naziraub-Kunst identifiziert, sollen die Opfer bzw. ihre Erben entsprechend entschädigt werden. Während die Erben behaupten, daß nur die damalige Judenverfolgung und der daraus entstandene finanzielle Druck auf Mendelssohn-Bartholdy zum Verkauf des Picasso-Gemälde im Jahre 1935 geführt habe, sehen das die Vertreter der Bayerischen Staatsgemäldesammlung anders. Generaldirektor Prof. Dr. Klaus Schrenk entgegnet den Erben und ließ dies auch in einer ausführlichen Erklärung dokumentieren, dass es damals beim Verkauf in den 1930er Jahren keinen finanziellen Druck gegeben habe. Nun bin ich kein Experte in Geschichte und Judenverfolgung, aber diese Behauptung der Bayerischen Staatsgemäldesammlung erscheint mir aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs zwischen der beginnenden Judenverfolgung durch die Nazis und dem Verkauf der Gemälde im Jahre 1935 jedoch sehr gewagt. Auch die in der Erklärung von Prof. Dr. Schrenk dargestellten Fakten zum Verkauf von Madame Soler an den Kunsthändler Thannhauser ist in meinen Augen als “dünn” zu bezeichnen. In diese Richtung spricht auch, dass sich die Mendelssohn-Bartholdy-Erben in anderen Streitigkeiten um wertvolle Gemälde aus der ehemaligen Mendelssohn-Bartholdy-Sammlung mit dem Museum of Modern Art (MoMa) und mit dem Guggenheim-Museum (beide in New York) und der Andrew Lloyd Webber Kunststiftung einigen konnten. Es ging hier um die Picasso-Gemälde “Junge mit Pferd” und “Die Mühle von La Galette”. Auch diese Bilder gehörten wie Madame Soler zu der Mendelssohn-Bartholdy-Kunstsammlung, bevor dieser sie vor seinem Tod im Jahre 1935 an den Kunsthändler Justin K. Thannhauser verkaufen ließ.

In schwierigen Restitutionsfällen kann bei der Suche nach einer „fairen Lösung“ im Sinne der Washingtoner Erklärung die sog. Limbach-Kommission als Schlichter eingeschalten werden, wenn beide Parteien dies wünschen. Letzteres ist jedoch nicht der Fall, da die Bayerische Staatsgemäldesammlung dies offenbar ablehnt.



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Tags: bayerisch, Geschichte, Kunst, Kunstwerk, München, Museum, Nazi-Kunst, Picasso, Pinakothek

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