Erdbeobachtungszentrum eröffnet in Oberpfaffenhofen

21. Juli 2010 | Von | Kategorie: Motor und Technik

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen eröffnet das Earth Observation Center und erforscht mit den beiden Satelliten TanDEM-X und TerraSAR-X Klimaveränderungen und Folgen von Naturkatastrophen.
Wie der Name des Earth Observation Center (EOC) im bayerischen Oberpfaffenhofen schon aussagt, liegt die Hauptaufgabe in der Beobachtung und Sammlung von Daten und Informationen über unsere Erde. Die Augen des Earth Observation Center sind die beiden Satelliten TanDEM-X und TerraSAR-X. Die gesammelten Daten und Informationen bilden die Grundlage für Aufgaben der kommunalen Stadtentwicklung bis hin zu Fragen des globalen Klimawandels.

TerraSAR-X ist ein deutscher Satellit zum Zwecke der Erdbeobachtung und wurde im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der EADS Astrium GmbH entwickelt. Der Geo-Informations-Dienstleister Infoterra GmbH hat die exklusiven kommerziellen Nutzungsrechte. Start des TerraSAR-X war am 15. Juni 2007. Der Betrieb läuft seit Januar 2008, während der Satellit in einer nahezu polaren Umlaufbahn in 514km Höhe um die gesamte Erde kreist. Die Antenne des TerraSAR-X empfängt hochauflösende Radardaten unabhängig vom Wetterbedingungen und Sicht mit bis zu 1 m Auflösung. TanDEM-X ist der 2. Satellit des DLR, dessen Start am 21. Juni 2010 erfolgte. Mit den beiden Satellitten TerraSAR-X und TanDEM-X ist nunmehr eine Satellitenzwillingsmission möglich, was interferometrische Aufnahmen der Erdoberfläche und damit die Erstellung eines hochgenauen Höhenmodells (DGM) erlaubt. Mit anderen Worten, die komplette Erdoberfläche wird dreidimensional vermessen. Beide Satelliten sind mit einem Zweifrequenz-GPS-Empfänger ausgerüstet, der vom Geoforschungszentrum Potsdam entwickelt wurde und die beiden Satelliten exakt auf ihrer Route um die Erde hält, bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometer pro Stunde und nur 200 Meter voneinander entfernt.

Mit den beiden Satelliten im All – zwei Augen gleich – soll in etwa 3 Jahren die gesamte Erdoberfläche in 3D erfasst sein, wofür mehr als 2,5 Petabyte an Daten gesammelt werden. Die Genauigkeit wird drei bis fünf Meter betragen, wobei ein derart umfangreiches und detailliertes Projekt mittels Satelliten noch nie realisiert wurde.

Einsatzzwecke der gewonnenen Daten und Modelle sind beispielsweise Städteplanung, Erkundung und Förderung von Bodenschätzen, Einsatzplanung bei Katastrophen und Unterstützung der Navigation und Orientierung in unwegsamem Gelände. Ein wichtiger Einsatzzweck wird natürlich auch die Erforschung des Klimawandels sein, insbesondere die Veränderung der Gletscher und Pole. Einen ähnlichen Zweck verfolgte die NASA zuletzt mit dem Forschungsflugzeug Earth Resources-2 (ER-2) und dem Auftrag, die Küste im Mississippi-Delta zu fotografieren – vor und nach Eintreffen des Öls aus dem Golf von Mexiko. Darüber hinaus betreibt auch die NASA Satelliten zur Erdbeobachtung, die ebenfalls mit hochempfindlichen Instrumenten ausgerüstet sind. Für die NASA ist die Erdbeobachtung jedoch nicht die Hauptaufgabe, vielmehr richtet die NASA ihre Augen mehr in Richtung Weltall, weit entfernte Sternzeichen und fremde Galaxien. Hierfür schickte die NASA bereits etliche Satelliten und Sonden ins All, darunter die Teleskope OAO (1972-81), HEAO (1977-79), IRAS (1983), FUSE (1999-2007) und STEREO (seit 2006). Auch weltraumgestützte Teleskope zur Erforschung des Universums kommen dabei zum Einsatz, z.B. 1990 Hubble, 1991 das Compton Gamma Ray Observatory für Gammaastronomie, 1999 das Röntgenteleskop Chandra sowie 2003 das Spitzer-Weltraumteleskop. Und neben all den hochtechnischen Geräten schauen auch noch unzählige Sterndeuter ins All, um uns regelmäßig mit dem neuesten Horoskopen für die jeweiligen Sternzeichen zu versorgen.

Bei der Eröffnung des DLR Earth Observation Center – zu Deutsch das Erdbeobachtungszentrum – am 20. Juli 2010 waren unzählige hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft zugegen, darunter Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technolgie Martin Zeil, Vorstandsvorsitzender der DLR Professor Dr. Johann-Dietrich Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA Jean-Jacques Dordain. Wirtschaftsminister Brüderle betonte während der Eröffnung:

“Für Deutschland sind Innovation und technischer Fortschritt lebensnotwendig. Hier in Oberpfaffenhofen wird für unsere Zukunft geforscht. Die Erdbeobachtung durch Satelliten ist eine Schlüsseltechnologie nicht nur für staatliche Stellen und Wirtschaft, sondern Daseinsvorsorge für uns alle. Die Beobachtung der Erde ist zusammen mit anderen Bereichen angewandter Raumfahrt wie Navigation, Telekommunikation und Robotik Kernelement der deutschen Raumfahrtpolitik. Für all dies steht das bayerische Oberpfaffenhofen.”

Damit ist Oberpfaffenhofen um eine weitere Attraktion im Bereich Luft- und Raumfahrt reicher. Auch RUAG Aerospace betreibt seit 2007 wieder Flugzeugbau am Standort Oberpfaffenhofen. Erst im November 2009 hat RUAG Aerospace erstmals die Do 228 NG „Dornier 228 Neue Generation“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Zuletzt war das DLR mit dem Meßflugzeug Falcon weltweit in den Medien präsent. Das Flugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sollte die Konzentration und Größe der Teilchen in der Aschewolke vom Vulkanausbruch auf Island messen.



Das könnte auch interessant sein:

  1. Husqvarna Shop in München eröffnet
  2. Von Oberpfaffenhofen per Flugzeug in die Welt
  3. Weg frei für Airport Oberpfaffenhofen
  4. Flugzeugbau im bayerischen Oberpfaffenhofen
Tags: Bayern, DLR, earth observation center, Eröffnung, Flug, Flugzeug, Flugzeugbau, Forschung, Gletscher, Klima, Klimawandel, Martin Zeil, Oberpfaffenhofen, satelliten, terrasar, Zentrum

Schreibe einen Kommentar