Gladio und das Oktoberfestattentat

10. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Geschichte, Oktoberfest

Es gibt viele bewiesene Tatsachen zum Oktoberfestattentat 1980 am 26. September 1980, aber auch nach wie vor einige offene Fragen, die immer noch ungeklärt sind.

Gedenktafel zum Oktoberfestattentat

Gedenktafel zum Oktoberfestattentat

Am 26.09.1980 – kurz vor der Bundestagswahl 1980 – explodierte am Haupteingang zum Münchner Oktoberfest eine Bombe, die 13 Menschen tötete und mehr als 200 zum Teil schwer verletzte. Bis heute ist das Oktoberfestattentat der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Ermittlungen des bayerischen Landeskriminalamts und der Generalbundesanwaltschaft führen rasch zu dem Ergebnis, dass der (frühere) Neonazi Gundolf Köhler die Tat alleine beging. Rechtsextremistische Motive seien nicht zu erkennen. Das sind bis heute die Fakten. Doch die Fragen und Ermittlungen mancher Wissenschaftler führen weiter und tiefer. Einer davon war Daniele Ganser, Schweizer Friedensforscher und Historiker, der 2005 mit seinem Buch über Geheimarmeen der NATO im Kalten Krieg bekannt wurde.

In seinem Buch Nato Geheimarmeen in Europa zeichnet Ganser das Bild, dass die NATO und die militärischen Geheimdienste im Rahmen eines koordinierten Netzwerks von Geheimarmeen bis zum Auseinanderfall der Sowjetunion in mehreren westeuropäischen Ländern in schwere Verbrechen verwickelt war, bis hin zu Terroranschlägen. Trainiert wurden diese Gruppen von den Geheimdiensten CIA und MI6. Das Ziel war ein Guerillakampf im Falle einer sowjetischen Invasion in Europa. Ganser geht in seinem Buch jedoch weiter und behauptet, dass Attentate auch gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt wurden, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen.

Gundolf Köhler war, zumindest zeitweise, Mitglied der Hoffmann-Truppe und nahm an mehreren ihrer Wehrübungen teil. Zwei Mitglieder dieser Gruppe bezichtigten sich später vor Zeugen der Mittäterschaft am Oktoberfestattentat. Doch die Ermittlungsbehörden gingen diesen Nachweisen nicht nach. Rechtsextremist Heinz Lembke (wird namentlich genannt im Video) hatte enge Kontakte zur WSG Hoffmann und wurde kurz nach dem Bomebanschlag auf dem Oktoberfest verdächtigt, den Münchner Sprengstoff geliefert zu haben. Lemke hatte 33 versteckte Waffenlager in der Lüneburger Heide, in denen er unter anderem 156 Kilo Sprengstoff, 50 Panzerfäuste und 258 Handgranaten hortete. Nach seiner Festnahme wurde er jedoch einen Tag vor seinem Verhör erhängt in seiner Zelle gefunden.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen Terroranschlag und Bundestagswahl 1980 ist schon überdeutlich. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch noch ein Video vorstellen, dass den damaligen Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, Franz-Josef- Strauss zeigt:

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sämtliche Beweisstücke im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat zwischenzeitlich vernichtet wurden. Man darf jedoch gespannt sein, wie die Stadt München und das Stadtmuseum München diesen Anschlag auf das Oktoberfest im Rahmen der Sonderveranstaltungen zur Geschichte der Wiesn auf dem Oktoberfest 2010 darstellen.

Update: Rund 30 Jahre nach dem verheerenden Anschlag auf das Oktoberfest gibt es nun ein zaghaften Versuch des Bayerischen Landtags, wieder Bewegung in das Thema “Oktoberfestattentat” zu bringen. Der Bayerische Landtag empfahl im April 2011 beinahe völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfestattentat 1980.



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Tags: Attentat, CSU, Franz Josef Strauss, Gladio, Gundolf Köhler, Heinz Lembke, Oktoberfest, Terror, Terroranschlag

4 Kommentare auf "Gladio und das Oktoberfestattentat"

  1. [...] wissenschaftlich mit NATO-Geheimarmeen, wie Gladio auseinandersetzte. Er fand heraus, dass z.B. der Anschlag in den 80ern auf das Oktoberfest ein hausgemachter Anschlag im Zuge der Operation Gladio war. Viele weitere Verwicklungen von [...]

  2. [...] wissenschaftlich mit NATO-Geheimarmeen, wie Gladio auseinandersetzte. Er fand heraus, dass z.B. der Anschlag in den 80ern auf das Oktoberfest ein hausgemachter Anschlag im Zuge der Operation Gladio war. Viele weitere Verwicklungen von [...]

  3. [...] Kapitel in der Geschichte des Oktoberfests markiert das Jahr 1980, als 13 Menschen durch den Bombenanschlag vom 26. September 1980 getötet und mehr als 200 Opfer schwer verletzt werden. In 2010 feierte das Oktoberfest sein [...]

  4. [...] Ganser, der 2005 ein Buch über Nato-Geheimarmeen in Europa veröffentlichte und darin auch einen Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf das Oktoberfest [...]

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