Die schönsten Gebräuche in Bayern mit Zugabe
Dez 20th, 2009 | By Kudo | Category: Top 10
Neben Lederhose, Laptop, Oktoberfest, Bier und Neuschwanstein sind es die Bayerischen Gebräuche, in denen sich die typisch bayerische Lebensart manifestiert.
Traditionelle Gebräuche, modernes Selbstbewusstsein und der Hang zur Forschung schließen sich in Bayern nicht aus. In kaum einem anderen Bundesland ist die Tradition und ihre Gebräuche so vital wie in Bayern. Dabei ist die bayerische Kultur und Tradition gerade dank der unterschiedlichen Regionen Franken, Allgäu, Oberbayern und Alpen so vielfältig und interessant. Auch wenn das in anderen Bundesländern nicht gern gesehen wird, hat Bayern oft in der Regel die Nase vor. Dank der schönen und einzigartigen Landschaft und der blauen Seen ist Bayern das populärste Reiseziel in Deutschland. Bayern stellt den Rekordmeister in der Fußballbundesliga und den Pabst in Rom. Für das typische bayerische Lebensgefühl sind neben den bayerischen Spezialitäten auch die vielen Gebräuche verantwortlich, von denen ich heute die schönsten Gebräuche vorstellen will.
Eisstockschießen
Kaum sinkt das Thermometer unter 0, treffen sie sich auf zugeforerenen Bächen, Seen oder machen sich ihr Spielfeld selbst, um gemeinsam den Stock übers Eis gleiten zu lassen. Das Eisstockschießen in seiner ursprünglichen Art ist vor allem im Alpenraum verbreitet, wo es in der ursprünglichen Art vorwiegend im Winter gespielt wird. Hieraus hat sich natürlich längst ein moderner Freizeit- und Leistungssport mit allerlei Regeln entwickelt, der in Vereinen praktiziert und das ganze Jahr gespielt wird. Während 1951 in Garmisch-Partenkirchen die ersten Europameisterschaften und 1983 die ersten Weltmeisterschaften in Frankfurt am Main stattfanden, hat es sich als olympische Disziplin noch nicht etabliert. Es gab 1936 in Garmisch-Partenkirchen und 1964 in Innsbruck nur Demonstrationswettbewerbe zum Zwecke der Vorführung dieses Sports.
Es ist zu unterscheiden zwischen dem
- Zielwettbewerb,
- Weitenwettbewerb,
- Schnellwettbewerb.
Beim Zielwettbewerb wird in 4 Durchgängen mit je 6 Versuchen der Sieger ermittelt, der seinen Stock am nächsten an das Ziel bringt. Beim Weitenwettbewerb versucht jeder Spieler, seinen Stock innerhalb einer trichterförmigen Bahn möglichst weit zu schießen. Beim Schnellwettbewerb wird die Zeit gemessen, die der Stock für eine Strecke von 40 m benötigt.
Fingerhakeln
Das Fingerhakeln ist ebenfalls ein Sport, der vorwiegend in Bayern und Österreich betrieben wird. Die Kontrahenten sich beim Fingerhakeln einander an einem Tisch gegenüber, hakeln die Mittelfinger ineinander und versuchen dann, den Gegner zu sich herüber zu ziehen. In Wettkämpfen werden die Mittelfinger auch in einen Lederriemen eingehakt, der ca. 10 cm lang und 6mm bis 8mm stark ist. Jedes Jahr werden bayerische, österreichische, deutsche und alpenländische Meisterschaften in verschiedenen Gewichts- und Altersklassen ausgetragen. Neben den beiden Kämpfern gibt es zwei Auffänger hinter den Haklern, ein Schiedsrichter, ein Vorsitzender und zwei Beisitzer. Gewonnen hat der, wer den anderen über den Tisch gezogen hat. Größe des Tisches, des Hockers und der Abstand zwischen der Mittellinie und den seitlichen Linien sind alle fest genormt.
Ergänzend ist noch darauf hinzuweisen, dass an den internationalen Wettkämpfen nur Bayern und Österreicher teilnehmen dürfen, aber keinesfalls Preußen.
Maibaum entführen
Während das feierliche Aufstellen eines Maibaums auf dem Dorfplatz am 1. Mai bzw. am Vorabend in vielen Regionen Brauch ist, gibt es diesbezüglich in Bayern einige Besonderheiten. In Bayern bleibt der Maibaum beispielsweise ganzjährig stehen und muss bis zur Aufstellung ununterbrochen vor Entführung geschützt werden. Der Brauch der Maibaumentführung sorgt immer wieder für ein typisch bayerisches Schmunzeln bei so manchen Schlagzeilen, von denen die Entführung des ersten “schwulen” Maibaum 2008 schon sehr viel Aufsehen erregt hat.
Fest verbunden mit der Tradition der Maibaumentführung sind die anschließenden Verhandlungen zwischen den erfolgreichen Dieben und den Bestohlenen. Verhandelt wird dabei über die Menge an Naturalien (in der Regel reichlich Bier), die als Auslösung des entwendeten Maibaums zu zahlen sind. Können sich die beiden Gruppen über den Preis der Auslösung einigen, wird der Maibaum in einer feierlichen Prozession mit Blasmusik zu den rechtmäßigen Eigentümern zurückgebracht. Bleiben die Verhandlungen jedoch erfolglos, wird der gestohlene Maibaum als Schandmal für das Nachbardorf oder Nachbarstadtteil und als zusätzlicher Segensbringer für den eigenen Ort aufgestellt. Dies ist beispielsweise geschehen in Thonstetten bei Moosburg, wo der “gestohlene” Maibaum schwarz angemalt und mit Hühnerfedern verziert als Schandbaum aufgestellt wurde, weil die Langenbacher ihren Maibaum nicht frei gekauft haben, sondern einfach einen neuen aus dem Wald geschlagen haben.
Als tollkühnste Maibaumentführung gilt der Fall aus dem Jahr 2004, als eine vierköpfige Seniorenbande den 20 Meter langen und 800 Kilo schweren Maibaum auf der Zugspitze per Hubschrauber stahl. Als Auslösung forderten die Senioren Saisonkarten für das Skigebiet und freie Kost im Selbstbedienungsrestaurant. Nach zähen Verhandlungen erhielte die Diebe letztendlich 150 Brotzeiten und 100 Halbe Bier.
Schmaischnupfen
Für manche gewöhnungsbedürftig ist die Tradition des Schmaischnupfen, was nichts anderes ist als Schnupftabak schnupfen. Die meisten schnupfen ihren Schnupftabak im Wirtshaus am Stammtisch; eine Prise Schmalzler auf den Handrücken, Unterarm oder Fingerspitze – und tief einatmen. Ein Hatschi! putzt dann ordentlich durch. Es gibt jedoch auch sportlich ambitionierte Schmaischnupfer, die sich anstatt einer Prise Schnupftabak so viel wie möglich Schmai in die Nase stopfen und zwar so schnell wie möglich.
Schnupfclub Michelbach a.d.L. Jahresfeier 2008 - MyVideo
Gewonnen hat, wer sich binnen einer Minute am meisten Tabak aus der Dose in seinen Zinken gedrückt hat, ohne dabei zu niesen. Währenddessen grölt das Publikum rund herum und ruft:
“Ziach aufe. Schiab nach!”










