Bayerische Hopfenbranche blickt sorgenvoll in die Zukunft

3. September 2010 | Von | Kategorie: Wirtschaft

In der Hallertau beginnt die Hopfenernte 2010 zwar so spät wie noch nie, aber Pflanzer, Handel, und Brauereien können sich dennoch auf eine gute Hopfenernte freuen, aber nicht ganz ungetrübt.

Soweit so gut. Weniger schön ist die Tatsache, dass die Hopfenernte 2010 den Überschuß an unverkauftem Hopfen aus den Ernten 2008 und 2009 auf über einen Jahresvorrat anwachsen lassen wird. In Bayern, Deutschland und Europa ist das Phänomen des zurückgehenden Bierkonsums ja schon seit mehreren Jahren bekannt, aber 2009 ging erstmals der weltweite Bierausstoß leicht zurück. Was wir hier in Europa und USA weniger getrunken haben, wurde in China, Russland und Südamerika umso mehr getrunken. In 2009 verringerte sich jedoch auch der weltweite Bierausstoß um 10 Mio. hl auf 1.81 Mrd. hl, also um 0,5%. Damit ist die Branche der Hopfenbauern und Händler zwar recht glimpflich aus der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise davongekommen, aber nichtsdestotrotz beschert der zurückgehende Bierkonsum in Europa für reichlich Sorgenfalten beim Deutschen Hopfenwirtschaftsverband. Denn hier in Europa sank der Bierausstoß um mehr als 5 %. Gerade der in Europa zurückgehende Bierkonsum ist für die Hopfenbranche besonders besorgniserregend, da hier die Biere mit den höchsten durchschnittlichen Bitterwerten der Welt hergestellt und gebraut werden. In China beispielsweise enthält ein Bier rund 1/4 Hopfen-Inhaltsstoffe pro Hektoliter. Ein wachsender Bierkonsum in China kann daher den schrumpfenden Bierausstoß in Europa nicht kompensieren.

Bayerischer Hopfen

Bayerischer Hopfen

Desweiteren ist von Bedeutung, wer die oben genannten 1,8 Mrd. hl. Bier produziert. Man stelle sich vor, dass die 4 größten internationalen Brauereien ca. 45% des gesamten Biervolumens der Welt produzieren. Die weltweit 5 größten Brauereigruppen

  • AB InBev,
  • SAB Miller,
  • Heineken,
  • Carlsberg und
  • China Resource Brewery Ltd.

repräsentieren unverändert fast 50 % des weltweiten Biermarkts. Nimmt man die größten 40 Brauereien dieser Welt – von denen nur 3 aus Deutschland am Ende der Tabelle rangieren – kommen diese zusammen auf 85% des weltweiten Biermarkts. Daran erkennt man schnell eine enorme Marktkonzentration auf wenige globale Unternehmen, die den Biermarkt beherrschen und deutsche Brauereien geraten dabei immer mehr ins Hintertreffen. Für die Hopfenbauern und Händler bedeutet dies umso mehr, dass die Belieferung der Top 40 Brauereien geradezu ein Muss ist. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass der Konzentrationsprozeß bei den Brauereien noch lange nicht abgeschlossen ist. Insbesondere die Top 5 sind weiterhin weltweit auf Einkaufstour, insbesondere in den Wachstumsregionen Südamerika, Russland und China.

Für 2010 erwartet der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband ein leichtes Wachstum beim weltweiten Bierausstoß, ohne dass sich dies jedoch in einer gesteigerten Nachfrage nach Hopfen niederschlagen wird. Weltweit sind die Brauereien bemüht, den Einsatz von Hopfen beim Brauen zu reduzieren. Dementsprechend kann man sagen, dass die bayerische Hopfenbranche von einer regelrechten Zange gequetscht wird, auf der einen Seite ein allenfalls marginal wachsender weltweiter Bierausstoß und auf der anderen Seite ein überproportional sinkender Hopfeneinsatz bei den Brauereien. Das Resultat ist eine noch nie dagewesene Überversorgung mit Hopfen, bedingt durch hervorragende Ernten in 2008 und 2009, die sich in 2010 nochmals steigern wird.



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