Bayern trinken immer weniger Bier

8. Februar 2009 | Von | Kategorie: Wirtschaft

Das statistische Bundesamt veröffentlichte am 29.01.2008 die Zahlen zum Bierkonsum im Jahr 2008. Die gute Nachricht für die Bierbrauer war, dass der Konsum in Deutschland im Vergleich zum Jahr 2007 erfreulicherweise nur um 1,1% gesunken ist.

„Trotz der negativen Entwicklung haben die deutschen Brauer doch insgesamt bewiesen, dass man auch in einem leicht rückläufigen Markt und unter anderen widrigen Umständen dennoch erfolgreich wirtschaften kann. Die Branche zeigt sich doch insgesamt recht zufrieden mit dem Verlauf des Jahres.”

Der Deutsche Brauerbund beschäftigte sich auf seiner Seite etwas differenzierter mit dem Rückgang des Bierkonsums und machte folgende Ursachen dafür verantwortlich:

Der verregnete Sommer im 2008 hat vor allem bei den deutschen Brauern und deren angeschlossenen Biergarten zu “langen Gesichtern” geführt. Die vergleichsweise wenigen Sonnentage im Jahr 2008 haben die Folgen der schon schwierigen wirtschaftlichen Rahmendaten noch verstärkt. Zudem waren einige Brauereien Anfang 2008 gezwungen, durch steigende Kosten bei Energie und Rohstoffen zumindest einen kleinen Teil im Rahmen einer Preissteigerung an die Konsumenten weiterzugeben. Dies führte erwartungsgemäß zum Rückgang des Konsum.” Dieser Rückgang bei den klassischen Biersorten, konnte in anderen Bereichen der Getränkebranche, insbesondere bei Innovationen und bei alkoholfreien Bieren, ausgeglichen werden. Die allgemein negative Entwicklung des Absatzes konnte dadurch ein wenig abdämpft werden”.

Wieder mal muss das Wetter dafür herhalten, dass die Deutschen weniger Bier trinken. Doch diese Aussage sollte man mit Vorsicht genieße, weil nach Angaben von wetter24.de der Sommer 2008 vergleichsweise eher warm und trocken war.

“Insgesamt war der Sommer 2008 im Westen und Südwesten mit einer Abweichung um 0,5 K nur leicht zu warm. Zwischen Ostsee und Erzgebirge lag die Mitteltemperatur des gesamten Sommers zwischen 1,0 und 1,5 K über dem langjährigen Durchschnitt. Insbesondere in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern fiel von Juni bis August deutlich weniger Regen als in einem durchschnittlichen Sommer zu erwarten wäre. Teilweise konnte nur 60 bis 65% des üblichen Niederschlags registriert werden. In den anderen Gebieten wurde etwa der langjährige Durchschnitt erreicht und besonders im Norden und Westen sowie im Mittelgebirge war es gebietsweise zu nass. Die Sonnenscheindauer lag meist im Bereich der jahreszeitlich üblichen Werte, lediglich in der Osthälfte schien sie häufiger als nach den Durchschnittswerten zu erwarten wäre.”

Es ist ein bereits seit langer Zeit zu beobachtender Trend, dass der Bierkonsum in Deutschland rückläufig ist, da diese Entwicklung schon seit 1976 zu beobachten ist. Die Ursachen für diesen Rückgang beim Bierkonsum dürften wohl eher darin liegen, dass einfach zunehmend andere Getränke erfolgreich angeboten werden, insbesondere einfaches Mineralwasser.

Entwicklung Bierkonsum in Deutschland

Entwicklung Bierkonsum in Deutschland von 1970 bis 2007

Quelle: Deutscher Brauerbund

Dennoch zeigt sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes Hahn für das Jahr 2009 optimistisch:

„Wir hoffen, dass das Wetter in 2009 mitspielt und die Leichtathletikweltmeisterschaft in Deutschland erfolgreich verläuft. Beide Faktoren könnten die Absatzstatistik positiv beeinflussen. Zudem muss gesagt werden, dass eine negative Absatzentwicklung keinerlei Auskunft über die wirtschaftlichen Erfolge der einzelnen Brauereien gibt. So setzen wir weiterhin auf das wirtschaftliche Geschick und den Erfindungsreichtum der deutschen Brauer. Dadurch wird die deutsche Brauwirtschaft auch in den nächsten Jahren erfolgreich am umkämpften Getränkemarkt bestehen können“.

Aus meiner Sicht hat eine Leichtathletikweltmeisterschaft – egal wie sie verläuft – nicht das Potential, diese Entwicklung zu stoppen oder gar zu drehen. Doch wir werden sehen.

Auch der Bayerische Brauerbund veröffentlichte am 05.02.2009 die Zahlen zum Bierkonsum in 2008:

Nach Angaben des Bayerischen Brauerbundes mussten die Brauereien in Bayern in 2008 sogar einen Rückgang von rund 300.000 Hektoliter bzw. 1,3% im Vergleich zu 2007 hinnehmen. Auch in Bayern ist also die gesamtdeutsche Entwicklung zu beobachten, dass alkoholfreies Bier und andere Getränkesorten auf Kosten des Bierkonsums zunehmen. Der in Bayern abnehmende Konsum kann jedoch durch stetig wachsenden Export bayerischer Bier- Spezialitäten ins Ausland mehr als kompensiert werden. so dass die bayerische Brauwirtschaft wohl insgesamt sehr zufrieden sein kann.

Der Bayerische Brauerbund sieht dann auch eine verfehlte Politik mit Werbebeschränkungen bei Alkohol, Senkung der Promillegrenze, Steuererhöhungen und Heraufsetzung des Mindestabgabealters als “unsinnige” Ursachen für den Rückgang beim Bierkonsum in Deutschland und in Bayern.

“Die negative Absatzentwicklung der Branche ist nach Ansicht des Präsindenten des bayerischen Brauerbund gleichzeitig Indiz für die Unsinnigkeit aktueller alkoholpolitischer Ansätze mit der Zielsetzung, den Alkoholkonsum zur Missbrauchsprävention kontinuierlich abzusenken. Wäre es richtig, dass bei einem Rückgang des Gesamtkonsums auch eine deutliche Linderung des Missbrauchsproblems einträte, hätten die Fälle von Alkoholmissbrauch in den letzten 20 Jahren zurückgehen müssen. Tatsächlich haben sie jedoch trotz sinkenden Alkoholkonsums zugenommen.”

In diesem Sinne setzt der Bayerische Brauerbund den geplanten Maßnahmen der Politik zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs aus Steuererhöhungen, Abgabebeschränkungen oder der neuerlichen Verschärfung der Promillegrenze eine Kampagne “gegen Bevormundung und für mehr Eigenverantwortung” entgegen:

“Wir verabschieden uns damit nicht von einer sinnvollen Missbrauchsbekämpfung, wehren uns aber gegen jeden Versuch einzelner Politiker, den Menschen in allen Lebenslagen vor sich selbst schützen, und ihm einen als idealtypisch festgelegten Lebenswandel aufzwingen zu wollen.”

Das Bild stammt übrigens von a4gpa und kann bei flickr.com angesehen werden.



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Tags: Bayern, Bier, Brauer, Brauerbund, Marketing, Politik, Sommer, Trinken, Wasser

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