Gezerre um die Schrannenhalle ohne Ende
Dez 9th, 2009 | By Kudo | Category: Wirtschaft
Eigentlich sollte das Gezerre um die Schrannenhalle in dieser Woche durch Zwangsversteigerung beendet werden. In allerletzter Minute tauchte jedoch (wieder) ein geheimnisvoller Investor auf.
Die Schrannenhalle sollte eins der Vorzeige-Immobilien in der Münchner Innenstadt werden. Die Lage zwischen St.-Jakobs-Platz und Viktualienmarkt versprach eigentlich genug Potential für den wirtschaftlichen Erfolg. Über das Desgin der Schrannenhalle lässt sich zwar streiten, ist aber geprägt von der historischen Erscheinung. Schon bald nach Abschluss des Wiederaufbaus der historischen Schrannenhalle im September 2005 begann auch schon der Ärger.
Hinter der Schrannenhalle stehen komplizierte juristische Konstruktionen, die der Laie ohnehin nicht durchschauen kann. Das Grundstück gehört nach wie vor der Stadt München, Eigentümer des darauf stehenden Gebäude ist die DBVI GmbH & Co Schrannenhalle KG, eine Tochter der Deutsche Beamtenvorsorge Immobilien Holding AG (DBVI), die von Klaus Thannhuber gegründet wurde und geschlossene Immobilienfonds auflegt.
Am 1. Mai 2005 blickte der Münchner Oberbürgermeister Ude in der Süddeutschen Zeitung noch optimistisch in die Zukunft:
“2004 war kein schlechtes Jahr, weil es viele höchst erfreuliche Entwicklungen gab. Wir sind wieder die deutsche Großstadt mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Wir haben eine verbesserte Finanzlage, keine Einbrüche wie 2002 und 2003 und wir haben große Projekte, den Spatenstich fürs Jüdische Zentrum, das Richtfest für die Schrannenhalle, die Grundsteinlegung für die BMW-Welt, an denen man sieht, dass es aufwärts geht.”
Doch schon vor Beginn der Bauarbeiten gab es deutliche Warnungen vor dem Investor DBVI AG und Klaus Thannhuber. Der Wirtschaftsdienst „Gerlach-Report“ beurteilte in seiner Nummer 32/97 die Deutsche Beamtenvorsorge AG so:
„Sie brüstet sich mit einer Aktienkursentwicklung von 17 Prozent seit dem 15.12.1994, als die Aktien an der Börsen eingeführt wurden. Damit bewegt sie sich als Immobiliengesellschaft auf dem Lächerlichkeitsniveau der Offenen Immobilienfonds, die auch so tun, als ob sie die Entwicklung der Immobilienmärkte, die jedermann alltäglich in den Zeitungen nachvollziehen kann, überhaupt nicht beträfe.“
In älteren „Gerlach-Reports“ ist die Rede von einem
„Unternehmensgespinst“, der „an Intransparenz kaum zu überbieten“ sei.
Von der Zeitschrift Capital erhält die Aktiengesellschaft in der Ausgabe 2/92 die denkbar schlechteste Bewertung „mangelhaft“, nämlich lauter Fünfer. Kreditgeber der Deutschen Beamtenvorsorge Immobilien Holding AG (DBVI) zur Finanzierung des Projekts Schrannenhalle war ursprünglich die Berlin-Hannoversche Hypothekenbank AG (kurz: Berlin Hyp) mit Sitz in Berlin, eine der großen deutschen Pfandbriefbanken.
Und schon im Januar 2006 wurde der Ärger um die Schrannenhalle mehr als deutlich, als 2 Mitglieder des Beirats der Schrannenhallen GmbH medienwirksam zurücktraten und “offene Briefe” mit gegenseitigen Vorwürfen übersät waren. Darin ging es vor allem um die mangelhafte Erfüllung des Kulturauftrages der Schrannenhalle, die sich die Stadt München bei der Planung des Wiederaufbau ausgebeten hatte.
Im Juli 2006 begann dann der wirtschaftliche Verfall rund um die Schrannenhalle, zunächst beginnend mit der Privatbank Reithinger. Der 5-Jahres-Chart der Deutsche Beamtenvorsorge Immobilien Holding AG (DBVI) offenbart im Juli 2006 einen abenteuerlichen Absturz der Aktien von 8,00 Euro auf rund 1 Euro. Was war geschehen? Zu diesem Zeitpunkt hat die Bundeanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Privatbank Reithinger unter ein Moratorium in Form eines Veräußerungs- und Zahlungsverbots gestellt, unter anderem mit Verweis auf ein „unübersichtliches Unternehmensgeflecht“, in das Klaus Thannhuber die Bank verstrickt haben soll. Aktuell haben die Aktien einen Wert von 0,03 Euro.
Und es sollte alles noch viel schlimmer kommen. Der kulturelle “Tiefpunkt” war Ende 2007 erreicht, als eine “YouPorn” Veranstaltung in der Schrannenhalle ausgerufen wurde. Und im August 2008 wurde die Schrannenhallen GmbH & Co. KG unter Zwangsverwaltung gestellt, weil sie die laufenden Finanzierungsverpflichtungen gegenüber der Deutschen Bank London nicht mehr erfüllen konnte. Diese hatte die Kredite der Berlin-Hannoversche Hypothekenbank AG (Berlin Hyp) zwischenzeitlich gekauft. An der Errichtung der Schrannenhalle beteiligte Handwerksunternehmen blieben auf offenen Rechnungen sitzen. Es wurden Forderungen gegenüber der Stadt München laut, dass diese von ihrem Heimfallrecht Gebrauch machen und die Schrannenhalle samt Schulden übernehmen solle. Daraus wurde jedoch nichts.
Als die Münchner Schrannenhallen GmbH (Betreiber der Schrannenhalle) zum Ende 2008 die Mieten an die Schrannenhallen GmbH & Co. KG (Eigentümer) minderte und schließlich einstellte, kündigte der Zwangsverwalter im Dezember 2008 den entsprechenden Mietvertrag und stellte Insolvenzantrag gegen die Münchner Schrannenhallen GmbH. Als neuer Betreiber der Schrannenhalle bot sich zwar Jürgen Lochbihler an, Pschorr Wirt und ehemals auch Geschäftsführer der Müncher Schrannenhallen GmbH sowie Partner von Klaus Thannhuber. Einen Zuschlag erhielt er jedoch zunächst nicht und so kam es, dass der Insolvenzverwalter der Schrannenhallen GmbH Axel Bierbach auch den letzten in der Schrannenhalle verbliebenen Standbesitzern die Mietverträge bis zum 30.03.2009 kündigte. Als die Deutsche Bank London überraschend die Zwangsverwaltung aussetzte und Klaus Thannhuber die Regie über die Schrannenhalle wieder in die Hand gab, folgten haarsträubende Auseinandersetzungen zwischen Thannhuber und Jürgen Lochbihler, also den beiden früheren Partner und Geschäftsführern der in Insolvenz geratenen Münchner Schrannenhallen GmbH, die in der Räumung der Schrannenhalle in einer “Nacht und Nebel Aktion” endeten. Während sich die beiden noch über die “richtige Nutzung” der Schrannenhalle stritten, kaufte der niederbayerische Unternehmer Günter Karl einen großen Teil der Forderungen der Deutschen Bank London. Er wird auch der Grund sein, warum der in dieser Woche geplante Termin für die Zwangsversteigerung der Schrannenhalle überraschend aufgehoben wurde.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Schrannenhalle zukünftig in “ruhigeres Fahrwasser” kommt und endlich ein vernünftiges und tragfähiges Konzept auf die Bein gestellt wird.














Münchner– Investoren und Möchtegern-Gastronomen
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Der Artikel rund um die Schrannenhalle von Kudo ist sehr gut. Es fehlt lediglich die Episode I.
Der Ärger in der Schrannenhalle begann nicht erst Januar 2006 als 2 Mitglieder des Beirats der Schrannenhallen GmbH medienwirksam zurücktraten. Der Ärger war vor dem Richtfest. Die Finanzierungsbank des Herrn Thannhubers lehnte die Finanzierung ab, weil kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept aufgestellt werden konnte. Besser gesagt, die Einnahmen aus der Schrannenhalle hätten die Kosten nicht getragen, sodass die Schrannenhalle von Beginn an eine Totgeburt geworden wäre.
Man brauchte Jemanden der unheimliche Umsatzversprechen zaubern konnte. So kam es, dass der Verwandlungskünstler Jürgen Lochbihler von Thannhuber mit dem Betrieb der Schrannenhalle beauftragt wurde.
Die Verwandlung, die ohne weitere Mühe Kapital schafft, funktioniert, als ob ein Zauberer die Immobilien mit seinem Stab berührt:
Das Konzept der Schrannenhalle was zuvor wirtschaftlich untragbar war, funkelte auf einmal im Reich des Verwandlungskünstlers Jürgen Lochbihler und Thannhuber`s.
Und alle Beteiligten konnten es wissen, das Lochbihler ein stadtbekannter Verwandlungskünstler war und ist. Denn sämtliche vorherigen Geschäfte gingen den Bach runter. (Internet- Dossier unter http://sites.google.com/site/schrannenhalle/home)
Jetzt suchen die Herren Lochbihler und Thannhuber den Nächsten, den sie mit dem Katzengold verführen können.