Es macht MUH! in Bayern
Kategorie: Literatur | 30. März 2011Bayern hat endlich ein eigenes Magazin. Muh! Vierteljährlich, bayerisch, viel Tradition und eine Menge Spaß. Der Titel ist etwas zwiespältig, hat aber nichts mit Kühen zu tun.
Das Bayern-Magazin Muh erschien zum ersten Mal am 25. März. Zukünftig gibt es MUH alle drei Monate neu beim gut sortierten Zeitschriftenhändler und natürlich im Abonnement. Nach eigenen Angaben möchte MUH ein Magazin für bayerisches Wesen und Unwesen sein, für bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten. MUH ist regional, lokal und gemütlich, sozusagen ein Gegenpol in Zeiten der galoppierenden Globalisierung. MUH will Heimatgefühl vermitteln, begleiten, herausfordern und Themen auf den Grund gehen. Letztere behandeln kritisch und neugierig Sprache und Dialekt, Musik und Film, Politik und Geschichte, Brauchtum und Natur, Essen und Trinken, Gott und die Welt. Klischees will man dabei nicht auf den Leim gehen. Muh richtet sich in erster Linie an Menschen aus und in Bayern und zeigt in in spannenden, unterhaltsamen, lustigen, lehrreichen – wenn’s sein muss auch in erschreckenden Reportagen – Ecken des Landes und Winkel unserer Kultur und unseres Freistaats, die auch eingefleischte Bayern so noch nicht gesehen haben. Große Diskussionen über Olympia 2018 in München/Garmisch werden ebenso bearbeitet wie die kleinen Schweinereien wie z.B. „Drecksaurennen“ der FunFactorySibirien-Clique in Oberroidham. Generationenübergreifend schaut MUH hinein ins Leben in Bayern mit Fotos und klaren Worten. Mit Humor und Ernsthaftigkeit, Liebe und Kritik, Biss und Herzensbildung wird die bayerische Seele erklärt und gezeigt, was Bayern so typisch bayerisch macht.
Bayern hat sich seine Kultur, seine Traditionen und sein Land in etlichen Jahrhunderten erarbeitet und nicht erworben. Herzöge, Könige, Herrscher, Diktaturen, Parteien und viele andere sind gekommen und wieder gegangen. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen hat sich in Bayern vieles anders entwickelt als in anderen Ländern oder Regionen. Mia san (eben) mia. MUH deckt auf und erklärt, in der 1. Ausgabe beispielsweise die Wolpertinger, die Außenpolitik von Franz Josef Strauß oder die Regeln beim Fingerhakeln.
Die Macher von MUH stammen aus dem Chiemgau und sind sicherlich von vielen Kühen umgeben, werden aber nicht über Kühe schreiben. Einer der drei Macher ist Stefan Dettl, Musiker und Gründer der Band LaBrassBanda, die ihre Fans mit Blasmusik und bairischer Mundart beglücken. Geschäftsführerin ist Nicole Kling (mit Magister), aufgewachsen in Chieming und Seebruck, Studium an der LMU München und u.a. zuständig für`s Marketing und für`s Geld verdienen. Last but not Josef Winkler, ehemals freier Redakteur bei Musikexpress und Autor für unterschiedliche Medien wie die taz und sporadisch den Bayerischen Rundfunk.
Zunächst soll MUH vierteljährlich erscheinen, in einer überschaubaren Auflage von rund 11.000 Exemplaren. Der Verkaufspreis liegt pro Heft bei 4,50 Euro und ist angesichts der Fülle und Dichte der Geschichten überraschend günstig. Ab und zu müssen die Macher von MUH jedoch darauf achten, dass man nicht zu provinziell und kleinbürgerlich wird. An manchen Stellen hätte der Mut zur Lücke dem Magazin gut getan. Und in machen Geschichten wünscht man sich mehr “in der Kürze liegt die Würze”. MUH ist trotzdem ein Gewinn für unsere Medienlandschaft, die zunehmend nur noch zum Vermelden von Katastrophen verkommt.
