Brauereibesichtigung bei Paulaner und Hacker-Pschorr

Kategorie: Geschichte, München | 13. Januar 2012

Paulaner bietet wie die anderen Münchner Brauereien auch die Möglichkeit zur Besichtigung der Brauerei mit Führung, die wir vor dem Umzug der beiden Brauereien nach München-Langwied mitgemacht haben.

Wie wir schon berichtet haben, will die Paulaner-Gruppe zusammen mit Hacker-Pschorr vom Nockherberg an den neu ausgewiesenen Brauerei-Standort in München Langwied umziehen. So gesehen besteht in den nächsten Monaten die letzte Gelegenheit, einen der ältesten Brauereistandorte in München, Deutschland und der ganzen Welt zu besichtigen. Und das ist nicht so dahin gesagt, da schon zu Beginn des Rundgangs durch die Produktionsstätten von Paulaner und Hacker-Pschorr am und im Nockherberg ein echtes historisches Highlight auf die Besucher wartet: eine der ersten Kältemaschinen von Carl von Linde.

Carl von Linde Eismaschine

Carl von Linde Eismaschine

Bevor Carl von Linde die wesentlichen Grundlagen der modernen Kältetechnik entdeckte und im Jahre 1871 die erste Kältemaschine auf Basis von Methyläther (Dimethylether) entwickelte, bestand in München in dem Zeitraum von 23. April bis 29. September ein absolutes Brauverbot. Die im Winter gebrauten Bierreserven mussten daher in den Münchner Bierkellern – vorwiegend im Nockherberg und in Haidhausen gelegen – eingelagert und mit natürlichen Eisblöcken gekühlt werden. Insbesondere für die Brauereien war die Erfindung der Kühltechnik eine der wichigsten Errungenschaften deutscher Ingenieure.

Die bei Paulaner aufgebaute Kältemaschine ist die Nr. 22 bzw. Nr. 23, die von der Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN SE) nach dem Patent des Carl von Linde auf Basis von Ammoniak aufgebaut wurde und seitdem dort steht. Es handelt sich um die älteste und funktionierende Kältemaschine der Welt, die sich nach wie vor auf ihrem ursprünglichen Standort befindet und mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Die Anlage steht in einem kleinen unscheinbaren Raum, den man über einen kleinen Steg über den Auer Mühlbach betritt und wo ein kleiner Film über das Bierbrauen die Besucher auf die Besichtigung thematisch einstimmt. Anschließend geht es vorbei am Tiefbrunnen der Brauerei zum Sudhaus, das man leicht an den großen Sudkesseln erkennt.

Paulaner Sudhaus

Paulaner Sudhaus

Die meiste Zeit der Brauereibesichtigung befindet man sich jedoch tief in den Kellern des Nockherberges, wo die Produktionsstätten von Paulaner und Hacker-Pschorr untergebracht sind.

Es sind gerade diese Kleinigkeiten, die eine solche Brauereibesichtigung so wertvoll machen und die letzten Zeugnisse einer bewegten Geschichte der Münchner Brauereien bleiben wie beispielsweise dieses Bierfass, das die beiden Münchner Brauereien Hackerbräu und Pschorrbräu noch als getrennte Brauereien in der Rechtsform von zwei Aktiengesellschaften ausweist. Nur noch eingefleischte oder historisch interessierte Münchner kennen die Geschichte von Hacker-Pschorr, deren Gründung zwar offiziell mit dem Datum 1417 angegeben wird, aber sehr wahrscheinlich eher mit der Gründung einer Brauerei in der Sendlinger Str. 75 durch Ainweg Kirchler im Jahre 1363 erfolgte. Der Name Hackerbräu entstand jedenfalls im Jahre 1738, nachdem der Wirt Simon Hacker die Probstbrauerei in der Sendlinger Stasse übernommen hatte. Durch die Heirat seiner Tochter Therese Hacker mit dem Braumeister Joseph Pschorr im Jahre 1793 wuchs Hackerbräu zur führenden Brauerei in München heran. Pschorrbräu entstand dann im Jahre 1820, nachdem Joseph Pschorr die in Konkurs geratene Bauernhanslbräu in der Neuhauser Str. 11 gekauft hatte. Erst 1972 verschmolzen die beiden Brauereien Hackerbräu und Pschorrbäu zu Hacker-Pschorr, die später von der Schörghuber Unternehmensgruppe übernommen wurde und inzwischen Teil der Paulaner Gruppe ist.

Nockherberg-Keller

Nockherberg-Keller

Wenn man all diese Brauanlagen tief in den Kellern des Nockherberges gesehen hat, fragt man sich, wie all das ausgebaut und nach München-Langwied verfrachtet werden soll. Jedenfalls war diese Brauereibesichtigung sehr interessant und lohnenswert, insbesondere das einzigartige Erlebnis der Keller im Nockherberg.



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